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09.04.2015

Die japanische Wirtschaft fällt in eine Phase mit sehr geringen Wachstumsraten zurück, befürchtet Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Japans Wirtschaft tritt auf der Stelle. Die durch die Mehrwertsteuererhöhung im vorherigen April ausgelöste „technische“ Rezession wurde zwar im vierten Quartal 2014 überwunden. Aber die negative Stimmung der Unternehmen spricht dafür, dass auch 2015 ein nachhaltiger konjunktureller Aufschwung ausbleibt. Deshalb stellt sich zu Beginn des neuen Fiskaljahrs (01.04.) die Frage, ob Japan in eine Phase mit sehr geringen Wachstumsraten zurückfällt.

Der Tankanbericht der Bank of Japan macht es deutlich: Entgegen aller Erwartungen blicken die Unternehmen pessimistisch in die Zukunft. Dazu zählen insbesondere die großen von den rund 11.000 befragten Unternehmen. Das ist umso erstaunlicher, weil der Gewinntrend deutlich nach oben zeigt und die niedrigen Energiepreise weiterhin für Entlastung sorgen. Zudem hat das japanische Parlament gerade die angekündigte Senkung der Unternehmenssteuern um 2,5 Prozentpunkte verabschiedet. Nicht zuletzt profitieren die exportorientierten Unternehmen zusätzlich noch vom schwachen Yen. In Hinblick auf die schlechte Stimmung kann nicht mit konjunkturellen Impulsen durch steigende Investitionen gerechnet werden.

Japan erholt sich nur mühsam von dem Schock der Mehrwertsteuererhöhung vor einem Jahr, der zu einem Einbruch des Konsums führte. Das sollte eigentlich durch steigende Löhne wettgemacht werden. Allerdings zeigen sich die mittleren und kleineren Unternehmen in puncto Gehaltssteigerungen zurückhaltend. Lediglich einige große Konzerne wie Toyota oder Hitachi zahlen ihren Mitarbeitern mehr Geld oder haben Steigerungen angekündigt. Hier konnte bislang selbst die expansive Geldpolitik nicht helfen. Das Ziel, die Inflationsrate nach Jahrzehnten leicht rückläufiger Preise auf 2,0% zu heben, liegt in weiter Ferne. Aufgrund des Rückgangs der Energiepreise haben die Preise unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuererhöhung im Februar im Vergleich zum Vorjahr nur stagniert.

So wurden angesichts des Rückgangs der Industrieproduktion im Februar die Rufe nach einer weiteren geldpolitischen Lockerung immer lauter. Ein Heilmittel ist dies aber nicht, denn noch niedrigere Zinsen und eine weitere Abwertung des Yen werden den Unternehmen wohl kaum Beine machen können. Was fehlt, sind einschneidende strukturelle Reformen wie auf dem Arbeitsmarkt, die die Rahmenbedingungen für die Unternehmen deutlich verbessern. Nur so entstehen nachhaltige Spielräume für Investitionen und Lohnerhöhungen. Davon ist momentan jedoch keine Rede mehr. Ministerpräsident Abe ist mit seiner viel zu zögerlichen Reformpolitik gescheitert. Stattdessen ist zu befürchten werden, dass Notenbankchef Kuroda erneut den Ausputzer spielen muss und das Anleiheankaufprogramm noch weiter aufstockt. Es ist ein Spiel auf Zeit und ein Spiel mit steigenden Risiken.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank