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23.04.2015

Der Renditeanstieg ist noch nicht nachhaltig, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Es ist kaum zu glauben: Die Renditen der Bundesanleihen sind wieder gestiegen! Und das nach Monaten, in denen sie nur eine Richtung kannten, nämlich abwärts. Auf dem Tiefpunkt hatte die Rendite der 10jährigen Bundesanleihen nur noch knapp oberhalb der Nulllinie gelegen und alle Laufzeiten bis zu neun Jahren rentierten im negativen Bereich. Dass das 10jährige Segment demnächst ebenfalls eine negative Verzinsung aufweisen würde, war fast schon ausgemachte Sache. Doch nun ist wie aus dem Nichts eine Gegenbewegung aufgetaucht und zeigt, wie schnell eine Trendwende möglicherweise ablaufen könnte.

Doch die Entwicklung dürfte (noch) nicht nachhaltig sein. Zu groß ist die Übermacht der EZB, die seit dem 9. März neben Covered Bonds und ABS-Titeln auch öffentliche Anleihen kauft und damit immer mehr Liquidität ins System pumpt. Die Käufe der EZB haben den europäischen Rentenmarkt ordentlich durcheinander gewirbelt und sind verantwortlich für das Absacken der Renditen.

Das ist schon beeindruckend vor dem Hintergrund, dass die Staatsanleihekäufe gerade einmal ein paar Wochen alt sind. Da will man sich gar nicht vorstellen, wie der Rentenmarkt in ein paar Monaten oder einem Jahr aussieht, wenn die Notenbank tatsächlich wie angekündigt das Anleiheankaufprogramm bis Ende September 2016 laufen lässt. Aber die Wirkung der Liquiditätsflutung beschränkt sich nicht nur auf den europäischen Rentenmarkt, sondern sie hinterlässt auch massive Spuren auf anderen Renten- sowie den Aktien-, Immobilien- und Devisenmärkten.

Bei den geldpolitischen Maßnahmen geht es um die Ankurbelung der schwachen Kreditvergabe, so betonen die Währungshüter immer wieder. Es ist nicht auszuschließen, dass die Maßnahmen letztlich auch auf die Kreditvergabe wirken. Laut Bank Lending Survey der EZB von April hat sich diese weiter verbessert, allerdings ist die Kreditvergabe an Unternehmen gegenüber dem Vorjahr noch leicht rückläufig. Die Auswirkungen auf die bereits benannten Märkte sind jedoch sehr viel gravierender: Die Renditen der 10jährigen T-Notes befinden sich unterhalb der 2%-Marke, auch wenn eine US-Leitzinswende angekündigt ist und die dortige Wirtschaft dieses Jahr mit rund 3% kräftig wachsen sollte. Der Dax hat seit Jahresbeginn um über 20% zugelegt, der Euro hingegen im gleichen Zeitraum um 12% gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Denn mit der Liquidität der EZB werden hauptsächlich höherverzinsliche Anlagen gekauft.

Obwohl die EZB diese Entwicklungen nicht als offizielle Ziele ihrer Geldpolitik definiert, streben die Notenbanker sie doch an. Sie wollen ein Niedrigzinsumfeld schaffen, das Investitionen maximal fördert. Die deutliche Schwächung des Euros stärkt die Wettbewerbsposition der europäischen Unternehmen und der haussierende Aktienmarkt führt zu einem Vermögenseffekt bei den privaten Haushalten, d.h. diese fühlen sich reicher und konsumieren mehr. Es läuft also alles nach Plan für die EZB − nicht ganz so gewünscht dürften die mit dieser Politik einhergehenden Risiken für die Finanzmarktstabilität sein, die in der Zukunft zu bösen Überraschungen führen könnten.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank

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