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20.03.2015

Die US-Notenbank hat nunmehr wieder Entscheidungsfreiheit zurückgewonnen. Ein wichtiger Schritt, findet Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Ab jetzt könnte die US-Geldpolitik der neuen Fed-Chefin Janet Yellen Spaß machen. Bislang war sie mehr oder weniger gefangen auf dem von ihrem Vorgänger Ben Bernanke vorgezeichnetem Pfad. Er hatte das Zurückfahren der Anleiheankäufe im Dezember 2013 angekündigt, das sie dann bis Oktober 2014 umsetzen durfte. Während dieser Zeit verbot sich jegliche Aktivität an der Leitzinsfront. Mit der Zinssitzung vom 18. März, bei der das Wort „geduldig“ aus der Stellungnahme gestrichen wurde (bisher hatte die Fed betont, dass sie „geduldig“ in Bezug auf eine Zinserhöhung ist und damit die Wahrscheinlichkeit für Leitzinserhöhungen in den jeweils nächsten beiden Sitzungen auf Null reduziert), hat Yellen aber die Tür für Erhöhungen des Leitzinses geöffnet. Ab Juni hat die Notenbank Entscheidungsfreiheit.

Nun kann man mutmaßen, wann denn nun tatsächlich die Zinserhöhung kommt. Wir erwarten schon seit geraumer Zeit eine Zinserhöhung erst im September und dieser Termin scheint sich jetzt bei den meisten Investoren als Erwartung zu verfestigen. Der genaue Zeitpunkt der Zinserhöhung ist aber gar nicht so entscheidend. Wichtig ist vielmehr, dass überhaupt wieder ernsthaft über eine zeitnahen Straffung der Geldpolitik diskutiert wird. Damit nähert man sich einer Normalisierung. Ermutigend ist in diesem Zusammenhang, dass sich Yellen von den schwachen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen nicht von ihrem Kurs hat abbringen lassen. Vielmehr hat sie auf der Pressekonferenz kurz auf das voraussichtlich schwache erste Quartal hingewiesen – Einzelhandelsdaten waren zuletzt im Sinkflug und im Bausektor musste ein Einbruch im Februar festgestellt werden –, verweist aber auf einen gesunden Aufwärtstrend, der mit den robusten Beschäftigungsdaten und hohen ISM-Geschäftsklimaindizes gut belegt ist. Weiter ist bemerkenswert, dass der Beginn der Normalisierung der Geldpolitik einhergeht mit einer Herabstufung der Wachstums- und der Inflationsprognosen. So geht die Fed in 2015 von einem BIP-Zuwachs von 2,3 bis 2,7% aus (vorher: 2,6 – 3,0%), während sich die Inflation nur noch zwischen 0,6 und 0,8% (1,0 – 1,6%) bewegen sollte.

Insgesamt unterstreicht dies den Willen der Notenbank, mit der Normalisierung der Geldpolitik tatsächlich bald ernst zu machen. Anders gesagt: Wenn die Fed keine zeitnahen Zinserhöhungen gewünscht hätte, dann wären die schwachen Konjunktur- und Inflationsdaten der perfekte Anlass gewesen, um das Wort „geduldig“ weiterhin im Statement zu lassen. Gleichzeitig ist es der Fed mit ihrem vorsichtigen Ausblick gelungen, einen Zinsschock zu verhindern. Die Renditen sind sogar in der ersten Reaktion gesunken, weil offensichtlich einige Marktteilnehmer mit einem deutlicheren Hinweis in Richtung einer Zinserhöhung im Juni gerechnet hatten.

Natürlich gibt es noch einigen Risiken, die die Fed zum Stolpern bringen können. Viele Sektoren der US-Wirtschaft wie der Immobilien- und der Konsumsektor im Bereich der langlebigen Güter (die gerne mit Ratenkrediten gekauft werden) sind besonders zinssensitiv und für einige Unternehmen könnte sich die Refinanzierung an den Finanzmärkten verkomplizieren. In jedem Fall tut die Fed jedoch gut daran, ihre Handlungsfreiheit wieder zu erlangen. Viel Spaß bei den nächsten Zinsschritten, Frau Yellen.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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