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05.03.2015

Der weitere Renditerückgang ist begrenzt, meint Sintje Boie.

In den nächsten Tagen startet die EZB ihre Käufe von Euro-Staatsanleihen, diesen historischen Beschluss hat die Notenbank Ende Januar getroffen. Was aber bedeutet der Schritt für die Bund-Renditen? Werden letztere noch weiter in den Keller gehen und taucht auch das 10jährige Laufzeitsegment in den negativen Bereich ein? Oder sehen wir eine Entwicklung wie in den USA, wo der tatsächliche Start der Anleiheankaufprogramme zu einem Renditeanstieg geführt hat?

Nicht von der Hand zu weisen, ist, dass wir uns in einem Umfeld befinden, in dem alles vorstellbar ist. In den vergangenen Jahren hat die Mehrheit der Marktbeobachter kontinuierlich einen Zinsanstieg prognostiziert, der nie eingetreten ist. Stattdessen sind die Renditen weiter gesunken und haben immer neue Allzeittiefs erzielt. Entsprechend ist es durchaus eine Möglichkeit, dass die Zinsen noch deutlich tiefere Niveaus erreichen.

Allerdings ist dies kein Szenario, dem wir die größte Wahrscheinlichkeit beimessen. Unseres Erachtens könnte sich die Abwärtsbewegung der Renditen der Euro-Staatsanleihen durch die Käufe der EZB moderat fortsetzen. Wir rechnen jedoch nicht mit einem erneuten Einbruch bzw. negativen Renditen im 10jährigen Bund-Bereich. Die Ankäufe der EZB werden eine signifikante Größenordnung haben – rund 850 Mrd. Euro bis September 2016 – und dementsprechend die Renditen drücken sowie zu einem über längere Zeit niedrigen Zinsniveau führen.

Doch es gibt auch Faktoren, die in die entgegengesetzte Richtung wirken. Da ist zum einen die europäische Konjunktur zu nennen, die sich angesichts eines spürbar gefallenen Ölpreises sowie des schwächelnden Euros besser als erwartet entwickelt. Zum anderen rechnen wir damit, dass in der zweiten Jahreshälfte die Leitzinswende in den USA vollzogen wird. Dies sollte die Zinsen jenseits des Atlantiks nach oben klettern lassen – von diesem Zinsanstieg dürfte sich die Eurozone nicht komplett abkoppeln können. Diese Umstände sollten kurzfristig den Renditerückgang begrenzen und mittelfristig wieder zu einem leichten Zinsanstieg führen.

Aber selbst wenn wir keine negativen 10jährigen Bund-Renditen sehen werden, ist die derzeitige Finanzwelt schon verrückt genug. Die 2jährigen Bundesanleihen werden aller Voraussicht nach noch bis Jahresende im negativen Bereich rentieren, die 10jährigen dürften wohl erst im kommenden Jahr wieder die Marke von 1% überwinden. Zur Erinnerung: Vor dem Höhepunkt der Finanzkrise lagen letztere bei über 4%. An steigende Leitzinsen ist in der Eurozone erst ab 2017 zu denken. Das Niedrigzinsumfeld bleibt uns also noch eine ganze Weile erhalten, doch es wird nicht ewig Bestand haben. Im Laufe von 2018 werden 10jährige Bund-Renditen bei rund 3% wieder Normalität sein.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.