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19.02.2015

Die deutsche Wirtschaft sollte trotz Ängsten und Problemen lange aufgeschobene Investitionen nachholen, findet Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Geht doch! Die deutsche Wirtschaft brummt. Sie hat im vierten Quartal 2014 im Vergleich zum Vorquartal ganz überraschend um 0,7% zugelegt. Die Zahl ist für sich genommen gar nicht so bemerkenswert. Aber dieses Mal waren die Erwartungen sehr gering. Im Schnitt lagen sie bei weniger als der Hälfte des Wertes. Mit dem Plus des Jahresendquartals fällt auch die Jahresrate mit 1,6% etwas höher aus, als ursprünglich vom Statistischen Bundesamt gemeldet.

Erstaunlich ist der sich abzeichnende Stimmungswandel in der Wirtschaft. Noch im Herbst war die Enttäuschung über das stark nachlassende Wachstum groß. Angesichts des sechsten Rückgangs des ifo Geschäftsklimaindex infolge schwacher Auftragseingänge und einer rückläufigen Industrieproduktion schien es, als sei konjunkturell 2015 kein Staat zu machen. Dann kam ein fulminanter Endspurt. Motor der Wirtschaft ist der private Konsum, der rund 55% zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Besonders erfreulich ist jedoch, dass endlich auch die Investitionen der Unternehmen steigen. Darüber hinaus boomen die Exporte. Und noch viel besser: Alles spricht für eine Fortsetzung.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand, in erster Linie für die privaten Haushalte. Die niedrigen Zinsen machen das Sparen so unattraktiv wie noch nie. Hinzu kommt mehr Spielraum für Ausgaben durch die Entlastungen aufgrund des deutlich niedrigeren Ölpreisniveaus. Und nicht zuletzt durch Lohnsteigerungen. Außerdem gewinnt der Arbeitsmarkt an Breite. Momentan sind in Deutschland so viele Menschen in Lohn und Brot wie noch nie. Der Kurs geht in Richtung Vollbeschäftigung. Erfreulich ist zudem der wachsende Optimismus der Unternehmen, der sich in steigenden Investitionen niederschlägt. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und schafft neue Arbeitsplätze. Nicht vergessen darf man den schwachen Euro, der bei den exportorientierten Branchen wie ein großvolumiges Konjunkturprogramm wirkt.

Bemerkenswert sind die guten deutschen Zahlen auch deshalb, weil sich das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld nicht wesentlich verbessert hat. Krisenherde gibt es genug und die Risiken nehmen eher zu als ab, denn noch ist der Staatsbankrott von Griechenland nicht abgewendet und in der Ukraine kein richtiger Frieden in Sicht. Auch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone lässt sehr zu wünschen übrig, vor allem bei wichtigen Handelspartnern wie Frankreich oder Italien.

Dennoch gilt es jetzt – ungeachtet aller Ängste und Probleme – die Gunst der Stunde zu nutzen. Die deutsche Wirtschaft hat die große Chance, die lange aufgeschobenen Investitionen nachzuholen und darüber hinaus die Entwicklung neuer Produkte voranzutreiben. Aber auch der Staat könnte seinen Beitrag dazu leisten, den Wirtschaftsaufschwung zu untermauern. Statt in teure soziale Wohltaten sollte er die sprudelnden Steuergelder stärker in die Instandsetzung der über viele Jahre vernachlässigten Infrastruktur und in zusätzliche Ausgaben für Bildung fließen lassen. Dazu braucht es nur ein wenig Mut.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank