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23.01.2015

Mit der Abschaffung des Euro-Franken-Mindestkurses hat die Schweizerische Nationalbank im Krieg der Währungen Mut bewiesen, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Was für ein Paukenschlag! Völlig überraschend hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre 2011 eingeführte Bindung zum Euro gelöst und die internationalen Devisenmärkte erschüttert. Innerhalb weniger Minuten wertete der Franken massiv auf, nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber vielen anderen Währungen. Abwärts ging es indessen am schweizer Aktienmarkt. Er brach um mehr als 10% ein und nahm damit die Folgen für die Wirtschaft vorweg. Der Krieg der Währungen geht in seine nächste Phase.

Eine Woche vor dem Beschluss der EZB, die Anleiheankäufe massiv auszuweiten, sah die SNB keinen Ausweg mehr, der Abwertung des Euros ‑ insbesondere gegenüber dem US-Dollar ‑ zu entkommen. Über mehr als drei Jahre hatte sie mit massiven Interventionen den Mindestkurs von 1,20 erfolgreich verteidigt und infolgedessen ihre Geldbasis extrem stark aufgebläht. In der Bilanz der SNB befinden sich beträchtliche Positionen ausländischer Wertpapiere. So ist die Schweiz mittlerweile zum größten Gläubiger des deutschen Staates geworden. Eine Fortsetzung dieser Politik hätte die Schweiz überfordert. Deshalb haben die Notenbanker vor der zunehmenden Geldflut aus der Eurozone kapituliert.

Die Abschaffung des Euro-Franken-Mindestkurses von 1,20 bedeutet für die Schweiz eine Zäsur. Ohne schmerzliche Anpassungsprozesse wird das nicht gehen. Die Schweiz ist nicht nur eine schöne Urlaubsregion, dem jetzt einige Touristen abhandenkommen werden, sondern ein modernes Industrieland. Über 50% der schweizer Ausfuhren gehen in die Eurozone. Preissenkungen werden da wohl kaum zu vermeiden sein. Dies dürfte die Wirtschaft schmerzlich treffen und viel Wachstum kosten. Ferner droht eine Zunahme deflationärer Tendenzen. Die SNB nimmt einen massiven Vertrauensverlust, Abschreibungen auf ihr Wertpapierportfolio und geringeres Wirtschaftswachstum in Kauf. Die Antwort auf diese Frage „warum“ liegt dabei klar auf der Hand: Die SNB glaubt nicht an den Erfolg der Geldpolitik der Eurozone. Sie zieht nachhaltige Lösungen dem Aktionismus von Mario Draghi vor.

Tatsache ist, dass die jüngsten EZB-Maßnahmen helfen sollen, die Spätfolgen der Finanzkrise und die Fehler der vorherigen Jahrzehnte zu beheben. Die EZB möchte dies u.a. durch eine massive Schwächung des Euro erreichen, die die Exporte auf Kosten anderer Exportnationen ankurbeln soll. Eine Lösung der unzähligen strukturellen Probleme ist dies aber kaum, es ist nichts anderes als eine Kriegserklärung, die Gegenmaßnahmen wie erneute Abwertungen anderer Währungen oder die Einführung von Handelsbeschränkungen nach sich ziehen dürfte. So dreht sich die Abwärtsspirale weiter, bis am Ende nur Verlierer übrig bleiben. Zu denen will die Schweiz nicht gehören. Die SNB hat Mut bewiesen, Mut den wir auch der EZB wünschen.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank