SUCHE

17.12.2014

Viele hoffen, dass 2015 endlich wieder etwas mehr Ruhe und Normalität in der Finanzwelt einkehrt. Doch diese Hoffnung ist wahrscheinlich trügerisch, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Die letzten Jahre waren mit der Finanz- und Bankenkrise 2008/2009, der europäischen Schuldenkrise von 2009 bis 2012 und der anschließend jeweils schleppend verlaufenden Konjunkturerholung und den drängendsten Aufräumarbeiten nach den Krisen turbulent. Nun sind es nur noch wenige Tage, bis wir das Jahr 2015 schreiben. Viele mögen hoffen, dass dann endlich wieder etwas mehr Ruhe und Normalität in der Finanzwelt einkehrt. Doch diese Hoffnung ist wahrscheinlich trügerisch. Denn die Folgen der zurückliegenden Krisen sorgen weiterhin für Zündstoff, so dass uns wohl wieder kein ruhiges Jahr erwartet.

In den USA sollte 2015 durch einen breit angelegten Aufschwung geprägt sein. Die wirtschaftliche Dynamik dürfte auf das Momentum der zweiten Jahreshälfte 2014 aufsetzen und darüber hinaus von dem niedrigen Ölpreis profitieren. In diesem Umfeld sollte die US-Notenbank Fed in der zweiten Jahreshälfte erste zögerliche Zinsanhebungen vornehmen, nachdem sie bereits ihre Anleiheankäufe eingestellt hat. Das klingt soweit noch ganz gut. Die Fed beendet allmählich ihre im Zuge der Finanzkrise aufgenommene ultralockere Geldpolitik und schwenkt auf eine Normalisierung ein. Doch trotz der langsamen Vorgehensweise könnten die Finanzmärkte zunehmend nervös auf die geldpolitische Wende reagieren, und das Platzen von Blasen ist nicht ausgeschlossen. Entsprechend ist mit einer hohen Volatilität an den Finanzmärkten zu rechnen.

In der Eurozone ist die Zinswende bzw. eine Normalisierung der Geldpolitik noch lange nicht in Sicht. Im Gegenteil, mit der Konjunkturschwäche sowie den niedrigen Inflationsraten, die durch den sinkenden Ölpreis zusätzlich gedrückt werden, dürften Staatsanleiheankäufe in der Eurozone Anfang 2015 Wirklichkeit werden. Dies sollte die Renditen der Bundesanleihen auf neue Tiefststände sinken lassen, womit das Niedrigzinsumfeld in der Eurozone noch für einen längeren Zeitraum Bestand haben dürfte. Die aus den USA kommende Zinswende könnte die Bund-Renditen erst allmählich etwas nach oben treiben. Die immer weiter zunehmende Kluft bei der Geldpolitik und dem Konjunkturpfad zwischen den USA und der Eurozone sollte zu einer Fortsetzung der Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar führen.

Dazu kommen massive geopolitische Risiken. Der Ukraine-Konflikt ist weiterhin nicht gelöst und belastet insbesondere die konjunkturelle Erholung in Europa. Die vom Westen beschlossenen Sanktionen sowie der Sinkflug des Ölpreises setzen Russland immer mehr zu und könnten das Land in eine langanhaltende Krise stürzen – mit spürbaren Effekten auf die Weltwirtschaft. Auch die politischen Risiken für die Peripherie der Eurozone sind nicht zu unterschätzen. In einigen Ländern stehen Wahlen an, was ein Fragezeichen hinter die Kontinuität von Reformbemühungen setzt. Zusammen mit einem starken US-Dollar und steigenden US-Zinsen, die den Schwellenländern zusetzen dürften, ergibt sich für 2015 eine Gemengelage, die viel Explosionsgefahr für die Finanzmärkte birgt und nicht ohne Auswirkungen auf die Realwirtschaft bleiben würde. Es wird also auch im nächsten Jahr nicht langweilig. Doch wir sollten es gelassen nehmen, getreu dem Motto: „Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter!“

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank