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06.11.2014

Die Potenziale der ultra-lockeren Geldpolitik sind in Hinblick auf eine Unterstützung des Wachstums in Japan schon längst ausgereizt, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Die japanische Notenbank hat in der vergangenen Woche noch einmal die Geldschleusen geöffnet. Ziel ist es, der Deflation endgültig den Garaus und der lahmenden Wirtschaft Beine zu machen. Dieses Manöver ist nicht ganz ohne Risiko, denn Inflation kann man möglicherweise so erzwingen, aber nicht die Entscheidung der Unternehmen zu investieren.

Zugegeben, die Lage in Japan ist kritisch. Die Wirtschaft, die schon vor der Mehrwertsteuererhöhung im April erste Anzeichen der Schwäche aufwies, hat inzwischen noch mehr an Dynamik verloren. Dieses Jahr wird das BIP wohl nur um 1,0% zulegen und für das kommende Jahr sind die Perspektiven nicht viel besser. Zudem ist die um den Steuereffekt bereinigte Kerninflationsrate noch immer viel zu niedrig. Darüber hinaus hat die mit der Liquiditätsschwemme bezweckte Abwertung des Yen bis heute keinen positiven Effekt auf die Wirtschaft gehabt. Im Gegenteil: Die Verteuerung der Importe, insbesondere von Flüssiggas und Kohle, konnten bislang nicht durch die Exporte kompensiert werden. Trotz der verbesserten preislichen Wettbewerbsfähigkeit ist es der japanischen Exportindustrie nicht gelungen, ihren Wettbewerbern spürbar Marktanteile abspenstig zu machen. Außerdem steht Japan angesichts einer öffentlichen Verschuldung von 240% des BIP steht Japan mit dem Rücken zur Wand.

Der „Raketenstart“, den Premierminister Abe bei seinem Regierungsantritt Ende 2012 versprach, ist längst zum Rohrkrepierer geworden. Die Abenomics mit den drei Pfeilen Geldmengenausweitung, Konjunkturprogramm und Reformen scheinen gescheitert zu sein. Was fehlt sind mutige Reformen, die die seit Jahrzehnten verkrusteten Strukturen von Staat und Wirtschaft in Japan aufbrechen. Wie in vielen europäischen Ländern stehen eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Deregulierung vieler Wirtschaftssektoren ganz vorn auf der Agenda. Allerdings müsste sich die Bevölkerung auf harte Einschnitte vorbereiten. Dafür sind politische Mehrheiten schwer zu bekommen.

Deshalb liegt es nahe den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen und auf eine ultra-lockere Geldpolitik zu setzen. Dabei sind deren Potenziale in Hinblick auf eine Unterstützung des Wachstums schon längst ausgereizt. Aber das wollen die japanischen Politiker genauso wenig wahrhaben wie ihre europäischen Kollegen. Gemeinsam warten sie auf ein Wunder. Da kann man nur hoffen, dass es kein blaues wird.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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