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Wochenkommentar
13.11.2014

Die Forderungen der Schweizer-Goldinitiative lassen viele Antworten vermissen, meint Sintje Boie.

Das Edelmetall Gold gilt vielen Menschen als sicher, stabil und vertrauenserweckend. Da erscheint es nur recht und billig, wenn die Schweizerische Gold-Initiative fordert, die nationale Notenbank (SNB) müsse den Ausverkauf ihrer Goldreserven beenden und zukünftig wieder mindestens 20% ihrer Aktiva in Gold halten. Am 30. November darf darüber in einer Volksabstimmung entschieden werden.

Konkret lauten die Forderungen folgendermaßen: Die Goldbestände der SNB sollen erhöht werden und dürfen auch nicht mehr verkauft werden. Damit würde die Notenbank angeblich ein werthaltiges Investment halten, anstatt immer mehr Geld zu drucken und dieses in schwache Fremdwährungen zu „investieren“. Der Franken dürfte mit dieser Goldbindung, so das Kalkül, spürbar gestärkt werden. Zudem ist das Gold der SNB zwingend in der Schweiz zu lagern, denn im Notfall würde das Ausland dieses Volksvermögen nicht herausrücken.

Halt, stopp…!!! Haben wir das jetzt richtig verstanden? Der Franken soll mit diesen Forderungen der Initiative aufgewertet werden? Das ist doch derzeit nicht das Problem der Schweiz. Der Kurs des Franken gegenüber dem Euro bewegt sich nahe der von der SNB festgesetzten Untergrenze von 1,20. Unter diese Grenze soll das Währungspaar nach Festlegung der Notenbank nicht fallen, da der Franken dann zu stark werden würde. Letzteres hätte eine Beeinträchtigung der exportabhängigen Wirtschaft zur Folge. Darüber hinaus soll der Franken nicht weiter aufwerten, da auf diese Weise die Deflationsrisiken für die Schweiz zunehmen. Anders ausgedrückt, das Risiko liegt eher darin, dass der Franken zu stark wird.

Auch bei der tatsächlichen Umsetzung der Forderungen stellen sich viele Fragen. Wenn die Schweizerische Nationalbank ihre Goldbestände auf 20% ihrer Aktiva aufstocken soll, dann müsste sie aktuell ihren Goldbestand verdoppeln, um den geforderten Goldanteil zu erreichen. Es ist aber nicht so, dass Gold per se keinen Wertschwankungen unterworfen ist. Gold ist mittlerweile ein Finanzinstrument wie andere auch, dessen Preis der Volatilität der Märkte unterworfen ist. Entsprechend müsste die SNB den Goldpreis zahlen, der dann am Markt geboten wird.

Des Weiteren schränkt die Forderung, dass die Aktiva der SNB stets zu 20% aus Gold bestehen müssen, die Geldpolitik der Notenbank stark ein. Wenn die Währungshüter ihr Angebot an Franken ausweiten müssen, um eine zu starke Aufwertung des Franken zu verhindern, dann kaufen sie zu diesem Zweck beispielsweise Aktiva. Sie verlängern ihre Bilanz. Nach der Initiative müsste die SNB nun gleichzeitig auch noch Gold ankaufen, um den Goldanteil konstant zu halten. Wenn die Notenbank aber irgendwann dem Markt Liquidität entziehen und damit ihre Bilanzsumme verkürzen möchte, so dass die Preisstabilität gewährleistet bleibt, darf sie die Goldbestände nicht wieder verkaufen. Die Aktivseite der SNB wird damit zukünftig immer mehr aus unverkäuflichem Gold bestehen, das in Krisenzeiten nicht genutzt und damit kaum als Währungsreserve bezeichnet werden kann. Währungsreserven eines Landes zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Bedarfsfall rasch und ohne Einschränkung verfügbar sind. Die Schweizer Gold-Initiative lässt bei ihren Forderungen viele Antworten vermissen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Mehrheit der Wähler nicht vom Glanz des Goldes blenden lässt.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank