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Wochenkommentar
22.10.2014

Der geldpolitische Kurs der Fed braucht mehr Kontinuität, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Ende 2013 hat die US-Notenbank Fed angekündigt, ab Januar 2014 ihr Anleiheankaufprogramm schrittweise zurückführen zu wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Fed im Rahmen ihres dritten Quantitative Easing-Programms (QE III) jeden Monat Staatsanleihen in Höhe von 45 Mrd. US-Dollar und mit Hypotheken besicherte Anleihen (Mortgage Backed Securities) in Höhe von 40 Mrd. US-Dollar erworben. Angesichts der an Dynamik gewinnenden Konjunkturerholung in den USA war dieser Schritt längst überfällig. Doch die Notenbank zeigte sich trotz der Ankündigung vorsichtig und betonte, jederzeit bei der Rückführung der Anleihekäufe pausieren oder diese wieder aufstocken zu können.

Letzteres war jedoch nicht notwendig, denn Konjunktur und Arbeitsmarkt haben sich stetig weiter erholt, so dass die Fed in den vergangenen Monaten ihre Anleiheankäufe bis auf 15 Mrd. US-Dollar pro Monat reduziert hat. Bis zu den letzten Finanzmarktturbulenzen mit einbrechenden Aktienkursen und sinkenden Zinsen ist die Marktmeinung einhellig gewesen: Die Fed wird auf ihrer Zinssitzung am 28./29. Oktober ihr Anleiheankaufprogramm komplett einstellen. Doch die Konjunkturrisiken für die Eurozone sind spürbar gestiegen, was Sorgen vor einer Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft aufkommen lässt. Einige US-Notenbanker haben sogleich argumentiert, die Risiken für die Weltwirtschaft würden zusammen mit dem starken US-Dollar auch das Wachstum in den USA verlangsamen. Entsprechend langsamer müsste die geldpolitische Straffung der Fed erfolgen.

Bedeutet dies, dass die Fed Ende Oktober ihr Anleiheankaufprogramm nicht einstellen wird, sondern weiter Anleihen kauft oder ihr Programm noch einmal aufstockt? Unseres Erachtens sollte sich die Notenbank nicht so sehr ins Bockshorn jagen lassen. Es war zu erwarten, dass der Aufschwung in den USA nicht völlig reibungslos abläuft. Mit jeder nicht ganz so positiven Nachricht ist aber nicht gleich die komplette geldpolitische Ausrichtung in Frage zu stellen. Die Konjunkturindikatoren deuten auf einen soliden Aufschwung hin – so befinden sich beispielsweise die ISM-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor mit Ständen knapp unterhalb der 60 Punkte auf hohen Niveaus und signalisieren eine spürbare Wachstumsdynamik. Davon sollte sich die Notenbank in ihrer Geldpolitik leiten lassen. Notfalls kann sie eine weitere Straffung der Geldpolitik in Form von Leitzinsanhebungen nach hinten verschieben. Noch ist aber auch das keinesfalls geboten. Mehr Kontinuität und eine klarere Kommunikation in der Geldpolitik sind wünschenswert. Dann könnten sich die Marktteilnehmer auf die geänderten Rahmenbedingungen einstellen. Der Schlingerkurs der Fed führt aber nur zu höherer Unsicherheit an den Finanzmärkten und lässt den Ausstieg aus dem Quantitative Easing wieder aus dem Visier geraten. Angesichts eines voraussichtlichen Wachstums in den USA von rund 2% in diesem Jahr und 3% im nächsten Jahr drängt sich der Exit aber immer mehr auf. Also, nur Mut, liebe Fed, bring’ es zu Ende!!!

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank

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