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11.09.2014

Sollte Schottland unabhängig werden, dürfte die Politik ein richtiges Auseinanderbrechen des britischen Staatenbundes verhindern, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

In Großbritannien, oder besser gesagt, in England und Schottland geht die Angst um. Die Schotten stimmen am kommenden Donnerstag darüber ab, ob sie sich von England, Wales und Nordirland trennen wollen. Für die rund 5,3 Millionen Schotten geht es nicht nur um die Vision eines liberaleren und gerechteren Landes sondern auch ums Geld, denn auf dem Boden von Schottland befindet sich der größte Teil der britischen Öl- und Gasvorräte. Sah es lange Zeit danach aus, als ob die Gegner der Abspaltung eine Mehrheit hätten, gab es jetzt erstmals eine seriöse Umfrage, bei der die Separatisten vorn lagen. Die Strafe der Kapitalmärkte folgte auf dem Fuß: Das britische Pfund wertete innerhalb kürzester Zeit kräftig ab.

Darin spiegelt sich die Angst der Investoren vor den Folgen einer Abspaltung Schottlands wider. Das Finanzministerium warnte schon vor einem „ökonomischen Erdbeben“ und liegt damit ganz auf der Linie der Gegner der Unabhängigkeit. Die Problemfelder liegen dabei auf der Hand. An erster Stelle stellt sich die Frage der Währung. Notenbankchef Mark Carney schließt eine Währungsunion von „Rest-Großbritannien“ und Schottland aus. Müssten die Schotten eine eigene Währung einführen, wäre diese aber dem Wohl und Wehe der Rohstoffmärkte ausgesetzt   nicht ohne erhebliche Auswirkungen für die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Wirtschaftszweige außerhalb der Öl-und Gasindustrie. Einziger sinnvoller Ausweg für die Schotten wäre ein Betritt zur Eurozone. Darüber hinaus würde auch der gemeinsame Strommarkt auf der Insel in Frage gestellt. Außerdem machen sich viele größere Unternehmen Sorgen, insbesondere die im Vergleich zur schottischen Wirtschaftsleistung sehr großen Banken. So kündigte die Royal Bank of Scotland für den Fall der Unabhängigkeit schon ihren Umzug von Edinburgh nach London an. Dass nichts schlimmer ist als die Unsicherheit, würde nach der Entscheidung das gesamte Land zu spüren bekommen. Eigentlich braucht Großbritannien dringend Investitionen. Die Ausländer werden sich bei dieser Gemengelage aber zurückhalten und ihr Geld lieber in anderen Ländern anlegen. Unter dem Strich ständen schon bald zwei Verlierer da.

Das wird keine von beiden Parteien zulassen. Selbst wenn tatsächlich die Mehrheit der Schotten für eine Unabhängigkeit ihres Landes stimmen sollte, gibt es viele ökonomische und gesellschaftliche Zwänge, die ein richtiges Auseinanderbrechen des seit über 300 Jahren bestehenden Staatenbundes verhindern sollten. Deshalb könnte es am Ende auch bedeuten, dass es viel Lärm um nichts gegeben hat. Schade ist es um die Energie, die die Politik durch die Auseinandersetzung mit der Unabhängigkeit verschwendet. Sie könnte wesentlich besser eingesetzt werden, beispielsweise für die Lösung der zahlreichen Probleme des Landes oder noch besser für die Entwicklung einer langfristigen Strategie im Umgang mit Europa. Hier droht 2017 schon der nächste (unnötige) Streit, wenn es um den Verbleib der Briten in der Europäischen Union geht. Engländer und Schotten sollten sich lieber gemeinsam auf ihre sportlichen Qualitäten besinnen, als faire Partner und Teamplayer.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank