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24.09.2014

Investitionen brauchen neues Vertrauen, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Droht der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte der Rückfall in die Rezession? Die Stimmungsindikatoren scheinen zumindest auf eine weitere Verlangsamung des Konjunkturpfades hinzudeuten. So ist der europäische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im September erneut gesunken und befindet sich nur noch knapp oberhalb der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Für den Dienstleistungssektor sieht es noch besser aus, aber auch hier nimmt die Aktivität ab. Seit dem zweiten Quartal 2013 hat sich die Wirtschaft in der Eurozone nach dem Konjunktureinbruch im Zuge der Schuldenkrise moderat erholt, doch zuletzt ist diese Belebung zum Erliegen gekommen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht seit dem Sommer der lahmenden Konjunktur sowie dem niedrigen Inflationsausblick mit einer Liquiditätsschwemme für Banken Herr zu werden. Sie hat acht Langfristtender angekündigt, bei denen sich die Banken gegen Sicherheiten zu günstigen Konditionen Liquidität beschaffen können. Der erste dieser Tender wurde am 18. September zugeteilt, am 11. Dezember steht der nächste auf dem Programm. Darüber hinaus beschloss die Notenbank, Ankäufe von forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities) sowie gedeckten Bankanleihen (Covered Bonds) ab Oktober zu tätigen. Details zu den Programmen sind bis jetzt nicht bekannt. Käufe von Staatsanleihen sind zwar noch nicht beschlossen worden, dürften aber unseres Erachtens Anfang 2015 verkündet werden.

Die Maßnahmen der EZB zielen darauf ab, die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken zu verbessern. Die erhöhte Liquiditätszufuhr sollen die Banken dazu nutzen, ihre Kreditvergabe zu steigern. Denn die Notenbank hat die zu niedrige Kreditvergabe an Unternehmen als den Hauptgrund für die Konjunkturschwäche in der Eurozone ausgemacht. Die Unternehmen möchten gerne Investitionen tätigen – so die Interpretation der EZB –, doch gerade kleine und mittlere Unternehmen aus Südeuropa haben keinen Marktzugang und bekommen zudem keine Bankkredite. Beim ersten Langfristtender haben die Banken allerdings nur knapp 83 Mrd. Euro nachgefragt. Kein Zeichen für eine zu niedrige Liquiditätsausstattung.

Und liegt die Investitionsschwäche in der Eurozone tatsächlich an der mangelnden Kreditvergabe? Ist es nicht vielmehr so, dass sich die Unternehmen derzeit angesichts der vorherrschenden Unsicherheit mit Investitionen zurückhalten? Die geopolitische Situation ist angespannt, der weitere Konjunkturpfad ungewiss. Diese Unsicherheit wird von den Währungshütern noch verschärft, denn ihr überraschendes Umschalten in den Krisenmodus kostet Vertrauen. Notwendig wären eine Verbesserung der Stimmung und die Schaffung von neuem Vertrauen in die Zukunft der Eurozone. Erst wenn das der EZB gelingt, werden die Unternehmen bereit sein, im notwendigen Ausmaß Investitionen zu tätigen. Liquidität allein reicht dafür nicht.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank