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06.08.2014

Die Reaktion der Finanzmarktteilnehmer auf die Bankenrettung in Portugal zeigt, dass viele Reformschritte der Vergangenheit richtig waren, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Bankenrettung in Portugal, Rezession in Italien, Euro unter Druck und Aktien auf Talfahrt: Angesichts der aktuellen Schlagzeilen könnte man meinen, dass die Eurozone wieder in die Krisenzeit 2011/12 zurückgekehrt ist. Die selektive Wahrnehmung von Negativ-Ereignissen hilft jedoch nicht bei der Beurteilung der Gesamtlage, die insgesamt deutlich besser als vor drei Jahren ist.

Nehmen wir zunächst den Fall der Banco de Espírito Santo aus Portugal. Der Milliardenverlust des ersten Halbjahres hätte vor einigen Jahren ganz Portugal in eine schwere Krise gestürzt, es wäre zu einer Bankenpanik gekommen und Spekulationen über das Ausscheiden des Landes aus der Eurozone hätten um sich gegriffen. Und heute? Die Finanzmarktteilnehmer akzeptieren ohne großes Aufheben, dass die nachrangigen Anleihebesitzer zur Kasse gebeten werden und die Anleger lassen offensichtlich die Depositen im portugiesischen Bankensektor. Insgesamt sind die Märkte relativ ruhig geblieben, was nicht nur an der massiven staatlichen Geldspritze für das Institut liegt. Es hat auch damit zu tun, dass man in weiten Teilen dem auf der Euroebene beschlossenen aber erst in 2015 in Kraft zu tretenden Skript zur Abwicklung von Banken gefolgt ist. Das schafft Vertrauen und lässt hoffen, dass in Zukunft Banken zunehmend als normale Unternehmen behandelt werden können. So gesehen entfaltet die geplante Bankenunion schon jetzt eine stabilisierende Wirkung.

Zweitens ist da die Rezession in Italien. Die Wirtschaftsleistung schrumpft seit dem Jahr 2011 praktisch ununterbrochen (Ausnahme: Q4 2013). Etwas Optimismus sei dennoch erlaubt: Seit Mitte 2013 befindet sich der PMI-Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe im expansiven Terrain, die Industrieproduktion ist im Juni gestiegen und Ministerpräsident Matteo Renzi hat zahlreiche Reformen angestoßen, die die zukünftige Regierbarkeit erleichtern sollten. Darüber hinaus wird gerne der Erfolg anderer Peripherieländer wie beispielsweise Spanien ausgeblendet. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes ist im zweiten Quartal das vierte Mal in Folge beschleunigt gestiegen, während die Arbeitslosenrate seit Anfang 2013 eine sinkende Tendenz aufzeigt.

Drittens ist die Schwäche des Euro nicht das Ergebnis der Angst vor einem Zusammenbruch der Währungsunion. Vielmehr hat der Euro gegenüber dem US-Dollar abgewertet, weil viele Marktteilnehmer von einer baldigen Straffung der Geldpolitik in den USA und einer weiteren Lockerung der monetären Zügel in der Eurozone ausgehen. Aus Sicht der Exporteure ist der niedriger bewertete Euro eine gute Nachricht.

In Bezug auf die Baisse bei den Aktien ist schließlich zu sagen, dass es sich unseres Erachtens um eine überfällige Korrektur handelt. Die Aktienkurse waren in den vergangenen Jahren in erster Linie liquiditätsgetrieben nach oben gegangen. Die Rekordbewertungen wurden wahrscheinlich von den wenigsten Unternehmensführern als nachhaltig angesehen und insofern bedeutet die Schubumkehr keineswegs eine ungeplante Beeinträchtigung der Refinanzierung auf dem Markt für Eigenkapital.

Es ist durchaus richtig: Die konjunkturelle Lage in der Eurozone ist unbefriedigend, die Erholung zu schleppend, Schwachstellen im Finanzsystem immer noch vorhanden ebenso wie Reformbedarf auf nationaler und supranationaler Ebene. Dennoch: Viel wurde seit dem Ausbruch der Krise im Jahr 2008 erreicht. Die relative Gelassenheit, mit der die Investoren auf schlechte Zahlen und geopolitische Risiken reagieren, zeigt daher: Die Reformen der letzten Jahre waren ihre Mühe wert.

Cyrus de la Rubia
Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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