SUCHE

Wochenkommentar
21.08.2014

Die britische Notenbank fährt einen Schlingerkurs, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Die Bank of England (BoE) befindet sich in der Selbstfindungsphase. Dies legt zumindest ihr Verhalten in den vergangenen Wochen und Monaten nahe. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Notenbankchef Mark Carney noch die Arbeitslosenquote als richtungsweisend für die Geldpolitik eingestuft. Wenn die Arbeitslosenquote zumindest unter die Marke von sieben Prozent gefallen sei, könnte die BoE wieder über Leitzinsanhebungen nachdenken.

Zum damaligen Zeitpunkt, sprich im Sommer 2013, prognostizierte die Notenbank, dass dies wohl mehrere Jahre dauern würde. Doch die Arbeitslosenquote sank wesentlich schneller als gedacht – derzeit liegt sie bei 6,4 Prozent – und die Währungshüter schwenkten in ihrer Argumentation um. Nein, zunächst müsse die Kapazitätsauslastung spürbar zulegen, bevor die Leitzinsen steigen könnten. Aber die Messbarkeit dessen ist gering. Zuletzt ging der Schlingerkurs der Notenbank munter weiter. Carney erklärte zunächst, dass die Zinsanhebungen schneller erfolgen dürften als von vielen gedacht. Anschließend ruderte er zurück. Eine eindeutige und nachvollziehbare Kommunikation einer Notenbank sieht anders aus.

Jetzt haben laut Protokoll zwei Notenbanker auf der letzten Zinssitzung Anfang August für eine sofortige Erhöhung des Leitzinsniveaus um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent gestimmt. Das ist schon einmal eindeutiger. Möglicherweise wendet sich allmählich das Blatt, und der Beschluss einer Zinsanhebung wird mehrheitsfähig. Oder zumindest bereitet die BoE eine solche vor. Die meisten Marktteilnehmer rechnen mit einem steigenden Leitzinsniveau zum Jahresende oder zu Beginn des nächsten Jahres.

Vielleicht bleibt das Bild aber auch nebulös, da die anderen Notenbanker noch nicht eindeutig Stellung beziehen wollen. Das wäre die denkbar schlechteste Option. Denn was ist eine „forward guidance“ Wert, die keinerlei „guidance“ gibt? Zudem spricht die Verfassung der britischen Wirtschaft für eine allmähliche Normalisierung der Geldpolitik.

So hat das BIP in der ersten Jahreshälfte dynamisch zulegen können, und der Konsens rechnet mit einer Wachstumsrate von drei Prozent für das Gesamtjahr. Der Arbeitsmarkt hat deutliche Fortschritte erzielt, auch wenn die Lohnentwicklung noch schwach ist. Die Inflationsrate ist zwar im Juli auf 1,6 Prozent zurückgegangen, doch es ist kaum davon auszugehen, dass diese sich tatsächlich erst zur Jahresmitte 2017 dem Inflationsziel der BoE von zwei Prozent annähert – so die derzeitige Prognose der Notenbank. Warten die Notenbanker zu lange mit der Straffung der Geldpolitik, droht eine Überhitzung der Wirtschaft mit einem Überschießen des Preisziels. Daher müssen sie nun Mut beweisen und für andere Notenbanken eine Vorreiterrolle übernehmen.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank