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Wochenkommentar
03.07.2014

Ob die Einführung von regulatorischen Maßnahmen die Bildung einer Blase am britischen Immobilienmarkt nachhaltig verhindern wird, ist fraglich, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Großbritannien hat ein Problem: Die Immobilienpreise steigen immer weiter. So haben sich die Häuser zuletzt im landesweiten Durchschnitt um über 10% gegenüber dem Vorjahr verteuert, in London sogar noch deutlich mehr. Schon vor einigen Wochen warnte Notenbankgouverneur Mark Carney, dass der sich heiß laufende Immobilienmarkt das größte Risiko für den konjunkturellen Aufschwung des Landes sei. Zu dieser unerwünschten Entwicklung haben sowohl der Staat mit seinem Förderprogramm „help to buy“ als auch die Bank of England mit ihrer sehr lockeren Geldpolitik beigetragen. Dennoch sind die Notenbanker trotz der boomenden Wirtschaft noch nicht bereit, den historisch niedrigen Leitzins erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise wieder zu erhöhen.

Jetzt wagt die Bank of England einen Spagat. Auf der einen Seite will sie die Geldschleusen vorerst offen halten. Auf der anderen Seite sollen systemische Risiken, die Finanzstabilität der Wirtschaft gefährden, makroprudenziell reduziert werden, d.h. durch regulatorische Instrumente. Zur Abkühlung des Immobilienmarktes will die Bank of England künftig eine Schuldenobergrenze für Immobilienkäufer festlegen und das Kreditvolumen einer Bank bestimmen, das diese Grenze überschreitet. Ab Oktober ist es soweit: Die Schuldenobergrenze soll beim Viereinhalbfachen des Jahreseinkommens des privaten Immobilienkäufers liegen. Darüber hinaus wird den Banken, die jährlich mehr als 125 Mio. EUR an Immobilienkrediten ausreichen, untersagt, dass mehr als 15% der bestehenden Kredite diese Vorgabe überschreiten.

Ob diese Maßnahme ausreichen wird, die Bildung einer Blase am britischen Immobilienmarkt nachhaltig zu verhindern, ist fraglich. Mark Carney wird sich daran messen lassen müssen. Der seit einem Jahr amtierende Notenbankchef ist bislang eher glücklos aufgetreten. Seine „forward guidance“, die sich an der Arbeitslosenrate orientierte, wurde von der konjunkturellen Realität längst überholt und seitdem tut Carney sich schwer, die Aufrechterhaltung der lockeren Geldpolitik zu verteidigen. Mit sich zum Teil widersprechenden Aussagen, wann die Märkte mit einer Leitzinserhöhung zu rechnen haben, sorgte er in den letzten Wochen für mehr Verwirrung als Orientierung.

Zwar wird die Einführung der regulatorischen Maßnahmen den Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt bremsen. Aber eigentlich braucht Großbritannien ein deutlicheres Signal von der Bank of England. Um eine Erkenntnis kommen die Notenbanker auf Dauer nicht herum: Nur der Zins lenkt die finanziellen Ressourcen einer Volkswirtschaft dorthin, wo sie den höchsten Nutzen stiften.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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