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Wochenkommentar
10.04.2014

Die Anleger sollten vor der Gefahr der Bonitätsrisiken nicht die Augen verschließen, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

In diesen Tagen schwankt die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten zwischen Hoffen und Bangen. Deutlich wird dies an den nervösen Kursbewegungen der Aktienmärkte. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sowie viele schlechte Nachrichten aus den Emerging Markets sollte eigentlich das Risikobewusstsein der Investoren geschärft haben. Das Anlageverhalten spricht jedoch eine ganz andere Sprache. Besonders vor der Gefahr der Bonitätsrisiken werden alle Augen verschlossen.

Niedrige Zinsen sind zwar für Kreditnehmer ein Segen, aber ein Fluch für Kapitalanleger. In Zeiten von überreichlicher Liquidität rentieren fünfjährige Bundesanleihen nur bei 0,64%. In diesem Umfeld feiert jetzt sogar Griechenland ― letztes Jahr noch vor dem Staatsbankrott gerettet ― sein Comeback auf dem Kapitalmarkt. Auch im Mutterland der Finanzkrise, den Vereinigten Staaten, trübt der permanente Anlagenotstand immer mehr den Verstand der Anleger. Dank der Gier nach Rendite hat das Geschäft mit risikoreichen Krediten wieder Hochkonjunktur. Schon werden den Verpackungskünstlern wieder Anlagevehikel mit verschachtelten Strukturen und vermeintlich attraktiven Renditen aus den Händen gerissen. Nicht zuletzt ist die Bewertung der Aktienmärkte zu bedenken. Schon lange sind hier die Kurse aus fundamentaler Sicht nicht mehr zu rechtfertigen.

Dabei gibt die Weltkonjunktur auf den ersten Blick tatsächlich wenig Grund zum Klagen. Die Wirtschaft in den USA kommt immer besser in Fahrt und Europa zieht langsam nach. Dennoch: China, der langjährige Motor der Weltwirtschaft, hat einen Gang heruntergeschaltet und viele andere Emerging Market-Staaten bewegen sich in unruhigem Fahrwasser. Dazu zählen vor allem die von Morgan Stanley als besonders kritischen eingestuften „Fragile Five“ (Brasilien, Indien Indonesien, Südafrika und die Türkei). Als ob das nicht genug wäre, schwebt über allem der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland wie ein Damoklesschwert.

Ruhe wird deshalb an den Märkten vorerst wohl nicht einkehren. In diesem Umfeld dürfen geringe Renditeaufschläge für Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit schwacher Bonität nicht als Zeichen von Entspannung gesehen werden. Im Gegenteil: Marginale Spreads sind eindeutige Zeichen einer Blasenbildung. Angst ist sicherlich kein guter Ratgeber. Aber die zunehmende Ignoranz gegenüber Risiken sollte als ernstes Symptom einer Fehlentwicklung gesehen werden.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank