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16.04.2014

Die US-Geldpolitik löst Übertreibungen an den Finanzmärkten aus. Die Europäische Zentralbank sollte sich daher nicht zu einer Quantitive-Easing-Politik drängen lassen, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

„Solange die Musik spielt, muss man dabei sein und tanzen.“ Diesen berühmt gewordenen Satz sprach der damalige CEO der Citigroup, Chuck Prince, Anfang Juli 2007. Dabei bezog er sich auf den damals noch boomenden Markt für hochriskante Großkredite, so genannte Leveraged Loans. Wenige Tage später brach dieses Finanzmarktsegment im Gefolge der Subprime-Krise zusammen. Es folgten das Eintrocknen der Geldmärkte, Bankenpleiten und schließlich der Beinahe-Kollaps des Weltfinanzsystems.

Heute spielt die Musik wieder. Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann geht es dieses Mal noch lauter zu als im Jahr 2007. Beispielsweise wurden in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr Leveraged Loans, auf die Prince so stark gesetzt hatte, im Volumen von 455 Mrd. US-Dollar vergeben, 17 Prozent mehr als im Jahr 2007. Bei zwei Dritteln der 2013 vergebenen Darlehen sind sehr laxe Kreditstandards angewendet worden. Vor sieben Jahren war man mit einer entsprechenden Quote von 37 Prozent noch deutlich vorsichtiger. Anleiheemissionen von bonitätsschwachen Unternehmen boomen in den USA bereits seit dem Jahr 2010. Im Verlauf der Jahre sind die Risikoprämien dieser „Junk Bonds“ mittlerweile auf eine homöopathische Größenordnung gesunken. Überschuldete Unternehmen und überbewertete Aktienmärkte sind weitere Warnsignale, die der Internationale Währungsfonds (IWF) in Bezug auf die USA in seinem jüngst erschienenen Finanzmarktstabilitätsbericht identifiziert.

Es ist gut, dass der IWF auf diese Risiken hinweist. Erfreulich ist auch, wenn man sich in der Person von Ratsmitglied Jeremy Stein innerhalb der US-Notenbank ernsthaft darüber Gedanken macht, ob und wie das Ziel Finanzmarktstabilität in der Geldpolitik berücksichtigt werden kann. Beunruhigend ist dagegen, wenn eben dieses Ratsmitglied seinen frühzeitigen Rückzug aus der Fed ankündigt. Irritierend ist ebenfalls das subtile Drängen der Europäischen Zentralbank (EZB) durch den IWF mehr oder weniger subtil dazu drängt, massive Anleiheankäufe nach dem Vorbild Amerikas zu starten. Dabei sind es doch gerade diese Ankäufe, die zu den Auswüchsen an den US-Finanzmärkten geführt haben.

Sicher meint es der IWF mit seinem Ratschlag, eine QE-Politik in der Eurozone einzuführen, nur gut. Wohl wissend, was das Gegenteil von „gut gemeint“ ist, sollte die EZB jedoch diesen Ratschlag nicht annehmen. Es reicht vollkommen, dass die aggressive Geldpolitik der USA sowie die Nullzinspolitik der EZB auch hierzulande bereits zu Verzerrungen führen – Griechenlands heillos überzeichnete Anleiheemission steht hier Pate. Man darf diese Übertreibungen nicht noch zusätzlich durch eine selbst produzierte Liquiditätsschwemme anheizen.

Die US-Notenbank ist mit ihrem Tapering-Programm eigentlich dabei, die Musik allmählich abzustellen. Die EZB sollte darüber froh sein und nicht ihrerseits den Partygästen mit umso lauterer Musik aufspielen.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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