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20.03.2014

Wahrscheinlichkeit für frühere Zinswende in den USA ist gestiegen, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Janet Yellen hat mit der FOMC-Sitzung vom 18./19. März ihren Einstand als neue US-Notenbankpräsidentin gegeben. Wie erwartet hat die Fed die Fortsetzung ihres „Tapering“ angekündigt, so dass die Anleihekäufe das dritte Mal in Folge um 10 Mrd. USD auf nun 55 Mrd. USD ab April reduziert werden. In dieser Hinsicht hat Yellen also Kontinuität zu ihrem Vorgänger Ben Bernanke geliefert – trotz einer Vielzahl von Datenveröffentlichungen, die in der letzten Zeit nicht überzeugend ausgefallen sind. Das ist aber wohl zu einem Großteil auf das ungewöhnlich kalte Winterwetter zurückzuführen. Auch die Anpassung der „Forward Guidance“ bot keine Überraschung, denn die Arbeitslosenquote hat sich nahezu an den Zielwert der Fed von 6,5% angenähert und würde nach Erreichen dieses Wertes eine Zinserhöhung auslösen. Die Fed beabsichtigt in Zukunft nicht mehr nur die Arbeitslosenquote, sondern auch Inflationsindikatoren in die Zinspolitik mit einzubeziehen. Für einen Paukenschlag sorgte jedoch an den Märkten, dass Frau Yellen den Zeitraum zwischen dem Ende des „Tapering“ und der ersten Leitzinserhöhung mit rund 6 Monaten bezifferte.

Wenn man davon ausgeht, dass die Fed auch im weiteren Jahresverlauf ihre Anleihekäufe in gleichem Tempo drosselt, dann könnten die Käufe im vierten Quartal 2014 beendet sein. Eine Pause beim „Tapering“ ist wohl nicht in Sicht, solange sich keine größere Konjunkturdelle abzeichnet und sich die Wirtschaft im Gesamtjahr 2014 mit einer Rate von rund 2,5% erholt. Entsprechend würden die Leitzinsen in den USA bereits in der ersten Jahreshälfte 2015 erhöht werden – das ist wesentlich früher als die meisten Marktbeobachter bisher angenommen haben. Auch wir waren erst zum Jahresende 2015 davon ausgegangen und sind dabei, unsere Prognosen zu überdenken.

Die Frage ist, warum die Fed bei der Straffung ihrer Geldpolitik auf einmal so auf’s Tempo drückt. Zu Beginn des „Tapering“ war noch mit Pausen kalkuliert worden, doch jetzt scheint sich ein relativ stringenter Rückführungskurs abzuzeichnen. Dazu kommen die wahrscheinlich früheren Zinsanhebungen. Es sieht fast so aus, als sähe die Notenbank den Zeitpunkt für ihr „Tapering“ momentan als günstig an. Denn die derzeitigen Verwerfungen in den Schwellenländern und die Krim-Krise sorgen für eine unverändert hohe Nachfrage nach sicheren Anlageklassen wie Treasuries. Damit klettern die Renditen am langen Ende der Zinskurve trotz der geringeren Anleihekäufe der Fed nicht so stark nach oben – einen dramatischen Zinsanstieg hatte die Notenbank immer gefürchtet. Auf der anderen Seite ist die gefühlte Eile der Notenbanker eine Frage der Erwartungen. Am Anfang ihres Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik war die Fed sehr zögerlich. Das hängt immer noch in den Köpfen nach, auch wenn sich die Situation mittlerweile geändert hat und die Fed auch darauf zu reagieren scheint. Der Aufschwung in den USA hat an Fahrt gewonnen und dürfte noch weiter laufen. Auch die längerfristigen Perspektiven sehen ganz gut aus. Da wäre es grob fahrlässig von der Fed nicht endlich mit der Straffung der Geldpolitik Ernst zu machen. Und, mal ehrlich, wie „straff“ ist ein von den Fed-Mitgliedern per Ende 2015 erwartetes Leitzinsniveau von 1%?

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank