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Wochenkommentar
07.02.2014

EZB-Chef Mario Draghi sorgt mit einem sehr unklaren Ausblick für eine erhöhte Unsicherheit. Unnötig und schädlich, findet Cyrus de la Rubia.

Die Argumente von EZB-Präsident Mario Draghi bei der Zinspressekonferenz, warum man sich keine allzu großen Sorgen um Deflation machen sollte, waren gut. Klarheit über das weitere Vorgehen der EZB brachten sie aber nicht. Vielmehr ist die Unsicherheit gestiegen. Draghi, der die „irrationale Angst“ der deutschen vor Inflation beklagt hat, sollte seinerseits weniger Angst vor einer erneuten Konjunkturschwäche verbreiten.

Draghi verdeutlichte, dass wir in der Eurozone erstens keine Deflation haben und der Abwärtsdruck auf die Preise dort am größten ist, wo der größte Anpassungsbedarf ist, nämlich in den Programmländern Griechenland, Portugal, Spanien und Irland. Sprich: Diese Länder gewinnen durch diese Entwicklung an Wettbewerbsfähigkeit. Das ist wahr: Die entsprechenden Exporte haben sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Weiter wies der EZB-Präsident auf die rückläufigen Energiepreise hin, die zu der niedrigen Inflationsrate beigetragen haben. In der Regel ist ein durch Energiepreise ausgelöster Inflationsrückgang eher positiv zu bewerten, weil die Kaufkraft der Konsumenten gestärkt wird. Außerdem widersprach Draghi der Ansicht, Europa sei in einer ähnlichen Situation wie Japan. Dort sei die Deflation breit angelegt gewesen. Rund 60 Prozent aller Güterpreise seien zurückgegangen. In der Eurozone sei man weit von einem derartigen Wert entfernt. Er könne auch nicht feststellen, dass private Haushalte in Erwartung sinkender Preise ihre Ausgaben verschieben würden. Vielmehr sei das Konsumentenvertrauen gestiegen.

Konjunktur hat immer etwas mit Psychologie zu tun

Ergänzend kann man noch folgende Überlegung anstellen: Würde die EZB im umgekehrten Fall einer steigenden Inflationsrate bei einer sich gleichzeitig eintrübenden Konjunktur die geldpolitischen Zügel straffen? Vermutlich nicht und zwar mit dem Hinweis, dass der Preisdruck perspektivisch ohnehin nachlässt. Die freundliche PMI-Geschäftsklimaindizes, die sogar dem griechischen Verarbeitenden Gewerbe Wachstum bescheinigen, zeugen von einer sich fortsetzenden Erholung, in der Panik vor Deflation unangebracht ist.

Angesichts der klaren Argumente war es richtig, die Füße still zu halten. Allerdings ließ Draghi die Tür für neue Maßnahmen weit offen. Man könne auf die ganze Palette – u.a. Zinssenkungen, Langfristtender, ABS- und Anleiheankäufe – in Abhängigkeit von den weiteren Entwicklungen zugreifen. Mit der Betonung dieser Möglichkeiten hat Draghi die Unsicherheit über zukünftige Maßnahmen unnötig erhöht. Natürlich ist die Situation durch die Turbulenzen in den aufstrebenden Volkswirtschaften nicht einfacher geworden. Konjunkturentwicklungen haben aber auch immer mit Psychologie zu tun. Etwas mehr Zutrauen in die Gesundungskräfte der Eurozone hätte der gesamtwirtschaftlichen Stimmung sicherlich gut getan.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank