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Wochenkommentar

Schwellenländer müssen eigenen Weg aus der Krise finden

30.01.2014

Die Federal Reserve darf sich bei ihrer Geldpolitik nicht von den Schwellenländern beeinflussen lassen, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Endlich, endlich macht die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Ernst und führt ihr Wertpapierankaufprogramm zurück, wenn auch nur in kleinen Schritten (Tapering). So hat die Fed im Dezember beschlossen, die monatlichen Ankäufe von Treasuries und Hypothekenanleihen ab Januar um 10 Mrd. USD auf 75 Mrd. USD zu senken, im Zuge ihrer Zinssitzung am 28./29. Januar erfolgte die nächste Reduzierung auf 65 Mrd. USD ab Februar. Trotz der vorsichtigen Vorgehensweise der Notenbank – der Beginn des Tapering wurde zeitlich nach hinten verschoben, und das Rückführungsvolumen ist sehr moderat – gab es weiterhin Stimmen, die den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik kritisch gesehen und auf genügend Berücksichtigung der damit verbundenen Folgen gedrängt haben.

Die aktuellen Verwerfungen bei den Schwellenländern scheinen diesen Kritikern recht zu geben. Länder wie Argentinien, Indonesien, Indien oder die Türkei sind zuletzt stark unter Druck geraten: Die heimische Währung ist abgestürzt, die politische Lage stellt sich instabil dar, die Länder haben mit sehr hohen Inflationsraten und ausländischen Kapitalabflüssen zu kämpfen. Die derzeitigen Turbulenzen lasten die Schwellenländer dem Tapering an und verlangen von der Fed eine noch vorsichtigere Herangehensweise. Die restriktivere Geldpolitik der Notenbank führt tendenziell zu einem Anstieg der US-Zinsen, was Anlagen in den USA für internationale Investoren wieder attraktiver macht. Entsprechend ziehen diese ihr Kapital aus den Schwellenländern ab, wo sie im Vergleich zu den Industrieländern lange Zeit von den sehr hohen Zinsen profitiert haben. Um den Kapitalabflüssen zu begegnen, haben einige Notenbanken der Schwellenländer in einer Krisensitzung ihre Leitzinsen angehoben.

Die aktuellen Probleme der Schwellenländer zeigen beispielhaft, wie sehr die durch Anleihekäufe künstlich niedrig gehaltenen US-Zinsen zu Blasenbildungen in bestimmten Marktsegmenten führen. Das Platzen dieser Blasen hätte erhebliche Verwerfungen an den Finanzmärkten zur Folge. Darum ist es umso wichtiger, dass die Fed ihren restriktiveren geldpolitischen Kurs fortführt und nicht weiter zum Aufbau von Blasen beiträgt. Sie darf sich bei der Rückführung ihres Anleiheankaufprogramms nicht von den derzeitigen Verwerfungen beeinflussen lassen. Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank hat kurzfristig die tatsächlichen Probleme der Schwellenländer verschleiern können. Doch diese sind schon länger nicht von der Hand zu weisen und müssen angegangen werden, um eine nachhaltigere wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern zu ermöglichen. Dann wären sie auch nicht auf die Unterstützung der Fed angewiesen und ausreichend attraktiv für ausländische Investoren.