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Wochenkommentar
21.11.2013

Die ehemaligen Schuldensünder in der Eurozone machen Fortschritte, doch es gibt immer noch viel zu tun, meint Sintje Boie.

Wer hätte das auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise gedacht, als vielfach über ein Auseinanderbrechen der Eurozone spekuliert sowie der Fortbestand des Euros angezweifelt wurde: Es gibt wieder positive Nachrichten von den (ehemaligen) Schuldensündern zu vermelden.

So will Irland von Mitte Dezember an seine finanzielle Unabhängigkeit zurückgewinnen und den Euro-Rettungsschirm verlassen. Damit laufen die Finanzhilfen zum Jahresende planmäßig aus. Irland war 2010 nach Griechenland als zweites Land auf die Unterstützung der anderen Euro-Länder und des IWF angewiesen und musste Kredite in Höhe von fast 70 Mrd. Euro in Anspruch nehmen, um seinen angeschlagenen Bankensektor auf die Beine zu helfen.

Die Iren möchte zudem keine Kreditlinie zur Absicherung ihrer neuen finanziellen Souveränität beantragen, sondern den Neuanfang allein aus eigener Kraft schaffen. Damit muss sich das Land ab 2014 wieder komplett eigenständig am Kapitalmarkt finanzieren, wofür Irland bereits frühzeitig die Weichen gestellt hat. 2012 wurden schon in begrenztem Umfang frische Mittel am Kapitalmarkt aufgenommen, im März dieses Jahres gelang es erstmals wieder, eine 10jährige Anleihe zu platzieren. Auch Spanien beabsichtigt den Rettungsschirm hinter sich zu lassen; das Hilfsprogramm in Höhe von rund 40 Mrd. Euro für seinen maroden Bankensektor läuft im Januar 2014 aus, und es wird kein Anschlussprogramm geben.

Dies sind gute Neuigkeiten, die durchaus zu würdigen sind. Doch es darf nicht vergessen werden, dass es immer noch viel für die schuldengeplagten Länder zu tun gibt. Die EU-Kommission hat zuletzt erstmals die nationalen Haushaltspläne für das kommende Jahr einer kritischen Vorab-Prüfung unterzogen. Brüssel verzichtete zwar darauf, einen Budgetentwurf zurückzuschicken und von dem betreffenden Land eine Überarbeitung zu verlangen. Allerdings wurden unter anderem die Pläne Spaniens und Italiens als „risikobehaftet“ bewertet. Italien würde zu wenig tun, um seinen Schuldenberg in Höhe von über 130% des BIP abzubauen, und auch Spanien soll nachbessern.

Das Sorgenkind der Eurozone bleibt jedoch Griechenland. Das Land befindet sich derzeit in Gesprächen mit der Troika, demnächst soll eine weitere Kredittranche ausgezahlt werden. Doch die Griechen hinken wieder einmal ihren Spar- und Reformversprechen hinterher. Es drängt sich immer mehr die Frage auf, wie lange das noch gutgehen kann.

Sintje Boie, Senior Analystin der HSH Nordbank

 

 

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