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17.10.2013

Die Vereinigten Staaten müssen in der Weltwirtschaft die Rolle des Vorbildes einnehmen, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Die Weltwirtschaft wächst langsamer als erwartet. Dies bestätigte der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Ausblick. Erneut revidierte der IWF seine Prognosen für das laufende und das kommende Jahr nach unten. Der Grund für die Anpassung liegt nicht wie zuletzt immer bei den Industrieländern, sondern dieses Mal bei den Emerging Markets, die über viele Jahre hinweg für Schwung gesorgt haben. Tempo verloren haben vor allem die großen Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien und Russland.

Den Schwellenländern macht besonders die Entwicklung in den USA zu schaffen. Die Öffnung der Geldschleusen durch die US-Notenbank bescherte den Investoren überreichlich Liquidität. Deshalb konnten sich die wachstumsstarken Märkte in Asien und Lateinamerika mehrere Jahre über hohe Zuflüsse freuen. Doch im Sommer setzte abrupt eine Gegenbewegung ein, die die Währungen vieler Schwellenländer stark unter Druck brachte. Auslöser war die Ankündigung der Fed, ihr Anleihe-Ankaufprogramm zurückzufahren. Das führte zu einem rapiden Anstieg der Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen und zu massiven Kapitalabflüssen aus den Emerging Markets. Selbst wenn die Straffung der Geldpolitik noch etwas länger auf sich warten lassen könnte, werden die Zinsen angesichts der konjunkturellen Erholung im nächsten Jahr wohl weiter steigen.

Grundsätzlich müssen sich heute die Schwellen- und Entwicklungsländer darauf einstellen, dass sie angesichts der Erstarkung der Wirtschaft in den USA und der Eurozone bei in Investoren weiter an Attraktivität einbüßen werden. Infolgedessen müssen sich viele Länder auf ein geringeres Potenzialwachstum einstellen. Zudem rücken die alten Probleme der aufstrebenden Volkswirtschaften wieder in den Vordergrund: in erster Linie Verschuldung und Inflation. Eine ganze Reihe von Staaten wird nicht umhin kommen, den Haushalt in Ordnung zu bringen und die Geldpolitik zu straffen. Soll die Tür zu höherem Wachstum trotzdem wieder aufgestoßen werden, müssen die länderspezifischen Probleme angegangen werden. Das geht in der Regel nur durch umfassende strukturelle Reformen.

Gleichwohl nimmt der IWF auch die Vereinigten Staaten ins Gebet. So wird der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – sollte er misslingen – als eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte gesehen. Risiken birgt ebenfalls das noch längst nicht gelöste Haushalts- und Schuldenproblem. Dennoch: Niemand sonst als die größte Wirtschaftmacht der Welt muss die Rolle des Vorbildes einnehmen. Die Zeit zum Handeln ist reif.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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