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Wochenkommentar

Fed-Nominierung: Falsches Signal in schwieriger Zeit

10.10.2013

Die meisten Marktbeobachter begrüßen die Nominierung von Janet Yellen zur Präsidentin der US-Notenbank. Doch die Personalie bietet gleichwohl Anlass für Kritik, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Neben ihrer langjährigen Erfahrung bei der Fed – Janet Yellen diente dort mit Unterbrechungen seit 1994 und ist seit 2010 Vizepräsidentin – und ihres überaus bemerkenswerten akademischen Hintergrunds wird immer wieder die in diesen Zeiten angeblich notwendige Kontinuität hervorgehoben. Auf Seiten der Obama-Regierung wird darüber hinaus die Expertise von Yellen in Bezug auf die Arbeitsmärkte sehr geschätzt. Man erhofft sich offensichtlich eine Fed-Führung, die an dieser Front rascher zu Erfolgen kommt.

Beide Einschätzungen sind falsch. Weder braucht die USA geldpolitische Kontinuität, noch benötigt man derzeit eine Arbeitsmarktexpertin an der Spitze der Fed.

Drei Phasen der Fed-Politik

Die in den vergangenen Jahren durchgeführten Aktionen der Fed kann man in drei Phasen unterteilen. Die erste Phase begann mit dem Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Die Fed öffnete alle Geldschleusen und verhinderte erfolgreich einen Zusammenbruch des Weltfinanzmarktsystems.

In der zweiten Phase, die Anfang 2010 startete, wurde der Patient, die US-Wirtschaft, von der Intensivstation geholt, hing aber weiterhin am Tropf. Die fortgesetzte Liquiditätszufuhr wurde zunächst mit der Furcht vor einem Rückfall in die Rezession, später dann jedoch damit begründet, die Volkswirtschaft wachse zu langsam und die Arbeitsmarkterholung sei zu träge.

In der dritten Phase sollte es darum gehen, die Liquiditätszufuhr zu stoppen und letztlich die monetäre Basis wieder auf ein Normalmaß zurechtzustutzen. In den vergangenen Monaten hat die Fed versucht, sich an diese Phase heranzutasten, ist letztlich aber den entscheidenden Schritt nicht gegangen. Der Zeitpunkt dafür ist aber überfällig und es wird Yellens Aufgabe sein, ihn zu managen. Es geht also nicht um Kontinuität, sondern um einen Kurswechsel.

Die Fed benötigt an der Spitze einen Finanzmarktexperten

Die vergangenen Monate, in der die Diskussion um die Reduktion der Anleiheankäufe ("Tapering") die Märkte in Atem hielt, zeigten außerdem, dass es jemandes bedarf, der sich mit Finanzmärkten auskennt. Letztere spielten in der akademischen Laufbahn der Yale-Doktorandin kaum eine Rolle. Nun mag man einwenden, dass sie sich durch den regen akademischen Austausch mit ihrem Ehemann und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, George Akerlof, eine besondere Affinität zu dem hochrelevanten Problem nicht funktionierender Märkte entwickelt hat. Immerhin ist Akerlof mit einem Marktversagensmodell am Beispiel von Gebrauchtwagen ("The market for lemons") berühmt geworden, das sich auch auf Finanzmärkte übertragen lässt.

Yellen hat zwar bereits relativ frühzeitig vor der Gefahr eine Immobilienpreisblase gewarnt, die von den Subprime-Krediten ausgehende Probleme jedoch erst sehr spät erkannt. Dabei ist das berühmte Akerlof-Modell auf die Subprime-Verbriefungen, deren Dreifach-A-Ratings ungefähr so viel wert waren wie die Zusicherung eines Gebrauchtwagenhändlers "das Auto, das fährt phantastisch", gut anwendbar.

Statt Yellen bräuchte man jemanden wie das derzeitige Fed-Boardmitglied Jeremy Stein. Der ehemalige Harvard-Professor ist ein ausgewiesener Kapitalmarktexperte, der in einer bemerkenswerten Rede zu drohenden Assetpreisblasen im Februar 2013 auf sich aufmerksam machte. Er würde in der jetzigen Zeit das Anforderungsprofil exakt erfüllen. Yellen tut es nicht.

Cyrus de Rubia, Chefvolkswirt HSH Nordbank