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Wochenkommentar
23.10.2013

Die Geldpolitik der USA ist wie ein Sturz von den Niagarafällen und wird immer mehr zu einem Risikofaktor für die Weltwirtschaft, meint der Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Cyrus de la Rubia.

Die schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten haben den Dax auf einen neuen Höchststand katapultiert und auch die internationalen Aktienmärkte beflügelt. Warum? Weil die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Liquiditätsorgie der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) sich noch länger als bislang vermutet fortsetzt. Diese Reaktion ist absurd. Sie ist vergleichbar mit der Situation eines Kajakfahrers, der auf die Niagarafälle zusteuert und sich darüber freut, dass er immer mehr an Fahrt gewinnt.

Offensichtlich steigen die Aktien nur deswegen, weil die Anleger davon ausgehen, dass die zusätzliche von der Fed in die Märkte gepumpte Liquidität irgendwo untergebracht werden muss und so die Preise von Unternehmensbeteiligungen nach oben getrieben werden. Fundamentaldaten werden dagegen ignoriert. Zeichen einer schwachen Wirtschaftsverfassung werden nicht als Warnung vor rückläufigen Gewinnaussichten gedeutet, obwohl der gesunde Menschenverstand genau das nahe legt.

Kann das geldpolitische Experiment der Fed dennoch gut gehen? Ist es möglich, dass sich Unternehmer und Konsumenten von ständig steigenden Vermögenspreisen täuschen lassen, sie daher mit größerer Zuversicht in die Zukunft schauen, wieder mehr investieren und ihre Konsumbereitschaft steigt? Kann sich die US-Wirtschaft auf diese Weise wieder aus dem Sumpf ziehen, durch Selbsttäuschung?

Abgesehen davon, dass man Menschen nicht für dumm verkaufen sollte, gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Trick funktioniert. Die Stimmung unter den Konsumenten hat sich zuletzt verschlechtert, was nur teilweise mit den Budgetstreitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten zu tun haben dürfte. Und die Investitionen der Unternehmen lassen keinen eindeutigen Trend erkennen.

Vielmehr steigt mit zunehmender Dauer der Zufuhr an Zentralbankliquidität das Risiko, dass es zu neuen unkontrollierbaren Turbulenzen an den Kapitalmärkten kommt, durch die dann die Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird. Die US-Geldpolitik wird immer mehr zu einem Risikofaktor für die Weltwirtschaft.

Es gab in den vergangenen 200 Jahren übrigens schon viele Versuche, sich die Niagarafälle in unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln hinunterzustürzen und zu überleben. Jeder zweite Versuch scheiterte.