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Wochenkommentar

Politische Börsen haben kurze Beine - hoffentlich

02.10.2013

Ohne erkennbare Not setzen die Volksvertreter in den USA und Italien die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder aufs Spiel, meint Stefan Gäde.

Nein, in den letzten Tagen waren es nicht die fundamentalen Daten, die die Finanzmärkte bewegten. Es war die Politik, leider aber nicht mit konstruktiven Beschlüssen. Im Gegenteil: Erbitterte Grabenkämpfe der verschiedensten Parteien in Italien und den USA sorgen für zunehmende Unsicherheit bei den Investoren - das ist Gift für die Märkte.

Ohne erkennbare Not setzen die Volksvertreter die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder aufs Spiel. Von Italien kennt man das schon seit Jahren. Hier scheint die Politik nicht nur dem Land zu dienen, sondern allzu offensichtlich Silvio Berlusconi und seinen Anhängern. Daher gleicht Italien seit Jahren einer großen Baustelle mit hoher Staatsverschuldung und schrumpfender Leistungsfähigkeit. Kein anderes Land in Europa steht heute in dieser Form für Reformunwilligkeit und verkrustete Strukturen.

Hinzu kommt aber, dass auch die amerikanischen Politiker bereit sind, Machtspiele auf dem Rücken der Volkswirtschaft auszutragen. So droht dem Staat mit der absolut höchsten Verschuldung weltweit schon Mitte Oktober die Zahlungsunfähigkeit. Infolgedessen wächst die Furcht vor massiven Zwangssparmaßnahmen wie der Schließung öffentlicher Einrichtungen oder unbezahltem Zwangsurlaub für Staatsbedienstete. Nicht nur dies dürfte den Unmut der amerikanischen Bürger auf sich ziehen. Vor allem wird die Wirtschaft an Schwung einbüßen. Schon auf seiner letzten Pressekonferenz äußerte sich Notenbankchef Ben Bernanke besorgt zu möglichen Sparmaßnahmen.

Eines ist klar: Die Finanzmärkte reagieren sofort, wenn Risiken drohen. Der US-Dollar ist unter Druck, die Anleiherenditen sind schon wieder deutlich gesunken und zuletzt geriet noch Sand ins Getriebe des Aktienmarktes. Eigentlich heißt es: Politische Börsen haben kurze Beine. Hoffentlich ist es auch so, denn nach fünf Jahren Finanzkrise wartet die Welt nicht auf weitere Jahre mit unfruchtbaren politischen Diskussionen. Sie hofft auf einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank