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Wochenkommentar
19.09.2013

Master of the Universe oder Master of Desaster? Fed-Präsident Bernanke drückt ohne Grund weiter mit voller Kraft auf das Gaspedal, meint Cyrus de la Rubia.

Die Party geht weiter. Das war die die Botschaft der gestrigen Pressekonferenz von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Denn sowohl das Fed-Statement als auch die Antworten auf die Journalistenfragen waren gespickt mit marktfreundlichen Aussagen:

  1. Das 85 Mrd. USD Ankaufprogramm wird bis auf weiteres fortgesetzt. Keine klare Aussage zum Beginn des Tapering. Nur eine vage Andeutung, dass - sollte sich die Arbeitsmarktlage wie erwartet verbessern - man möglicherweise zum Jahresende mit der Reduktion den Anleiheankäufe beginnen könnte. Wer weiß, vielleicht wird ein Tapering unter Bernanke, der bis Ende Januar im Amt ist, gar nicht mehr stattfinden.
  2. Der Schwellenwert einer Arbeitslosenrate von 6,5%, ab der die Fed über Leitzinserhöhungen nachdenkt, wurde faktisch gesenkt und verwässert. Die Arbeitslosenrate müsse signifikant unter diesen Wert sinken. Der letzte Arbeitsmarktbericht hätte nochmals deutlich gemacht, dass man auf eine breite Palette von Faktoren schauen muss. Die Situation am Arbeitsmarkt werde durch die Arbeitslosenrate alleine nicht adäquat abgebildet.
  3. Vor diesem Hintergrund hat Bernanke nonchalant auch den 7%-Schwellenwert kassiert, der für ein Ende des QE-Programms propagiert worden war. Zuvor hatte es noch geheißen, dass das Ankaufprogramm beendet wird, wenn die Arbeitslosenquote 7% erreicht, was für Mitte 2014 erwartet worden war.
  4. Damit war es aber noch nicht genug mit der Forward-Guidance. Gemäß Fed-Projektionen sind die Mitglieder der Notenbank im Durchschnitt der Meinung, dass im Jahr 2016 der Leitzins bei 2% (!) liegen sollte. Zur Einordnung: Das durchschnittliche Leitzinsniveau lag in den Jahren 1990 bis 2007 bei 4,3%.


Es drängt sich der Eindruck auf, dass alle kritischen Stimmen innerhalb der Fed (mit Ausnahme von Esther George) plötzlich verstummt sind. Kann es sein, dass der Rückzug von Lawrence Summers aus dem Kandidatenrennen um die Nachfolge von Bernanke bzw. die gestiegene Erwartung, dass Vizepräsidentin Janet Yellen den Chefposten übernimmt, hier bereits seine Wirkung zeigt?

Eine andere Frage ist, wie die Fed reagiert, wenn der wirtschaftliche Ausblick sich weiter verbessert und das Wachstum (wie von uns erwartet) auf 2,5% zusteuert? Was passiert wenn die Risiken von Asset-Preis-Blasen immer offensichtlicher werden - etwa wenn der S&P-Aktienindex vom heutigen Niveau aus neue Rekorde erzielt? Kann die Fed ihre Glaubwürdigkeit aufrecht erhalten, wenn sie dem tatenlos zuschaut?

Diese Überlegungen dürften in den nächsten Wochen in den Vordergrund rücken, wenn sich die wirtschaftliche Lage bessert und die endgültige Entscheidung über eine Nachfolge getroffen ist. Wir bleiben daher bei unserer Erwartung (die bisher außerhalb des Konsens lag), dass die Fed im Dezember mit einer Reduktion des Anleiheankaufprogramms beginnt. Die gestrige Sitzung ist ein Hinweis, dass die Reduktion sehr vorsichtig ausfallen dürfte. Dennoch: Das Ende der Party rückt näher.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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