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22.08.2013

Die Komplexität der US-Geldpolitik steigt, die Zinsen auch, meint Cyrus de la Rubia.

Früher war es einfach. Da ging es bei der Fed um die schlichte Frage, ob der Leitzins gesenkt, erhöht oder auf dem gleichen Niveau gelassen werden sollte. Die heutige Geldpolitik ist ungleich komplexer, wie das Protokoll der letzten Zentralbanksitzung zeigt. Denn es gibt mittlerweile zahllose Stellschrauben, an denen die Fed drehen kann: Der Leitzins, das Volumen der Anleiheankäufe, die Entscheidung über die Art der zu kaufenden Anleihen (Treasuries oder verbriefte Hypothekenkredite), der Zeitpunkt und das Tempo der Reduktion der Anleiheankäufe und die Konditionalität der geldpolitischen Entscheidungen (Arbeitslosenrate von 6,5% als Trigger für Leitzinserhöhung).

All diese Themen wurden bei der letzten Notenbanksitzung kontrovers diskutiert. Einigkeit bestand lediglich in dem Punkt, dass das Volumen der Anleiheankäufe reduziert werden muss. Wann, in welchem Volumen, unter welchen Bedingungen und in welchem Tempo, das bliebt unklar. Insofern spiegelt das Protokoll die Ratlosigkeit der Fed-Mitglieder wider. Hier spielt auch der baldige Wechsel an der Notenbankspitze eine Rolle. Niemand weiß, wer auf Ben Bernanke folgen wird, wenn seine zweite Amtszeit am 31. Januar 2014 zu Ende geht. Unter diesen Umständen fällt es einigen Fed-Mitgliedern offensichtlich schwer, sich eindeutig zu positionieren. All das trägt zur Orientierungslosigkeit der Anleger bei.

Aber wahrscheinlich sollte man die vielen Details und politischen Überlegungen ausblenden. Eigentlich genügt die Information, dass über kurz oder lang das Volumen der Anleiheankäufe reduziert wird und – falls nichts schief geht – per Mitte nächsten Jahres die Käufe auf null zurückgefahren sein werden. Für 2015 sind dann die ersten Leitzinserhöhungen zu erwarten. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: Die Zinswende bei den langfristigen Renditen ist eingeleitet, die bei den kurzfristigen Zinsen folgt später. Darauf sollten sich die Investoren einrichten.

Man mag fragen, warum die Fed sich so windet, diese einfache Botschaft zu kommunizieren. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens geht es um die Angst vor den negativen Effekten von steigenden Zinsen auf bestimmte Asset-Klassen wie etwa Aktien oder Unternehmensanleihen mit entsprechenden Rückwirkungen auf die Konjunktur. Das zweite Argument ist eher strategischer Natur. Die simple Botschaft, das Anleihevolumen zu reduzieren, könnte Investoren zu der Erwartung verleiten, dass der damit einhergehende Kursverfall bei den Staatsanleihen eine Einbahnstraße ist. Diese Anleger würden sich entsprechend positionieren und den Kursverfall (bzw. den korrespondierenden Renditeanstieg) verstärken. Ein Bond-Crash wäre die Folge, den will die Fed unbedingt vermeiden.

Die Geldpolitik wird einige Jahre lang komplex bleiben. Ultraniedrige Zinsen werden aber bald der Vergangenheit angehören.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank