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Wochenkommentar

Deutschland sollte die Weichen auf Wachstum stellen

29.08.2013

Trotz der florierenden Wirtschaft gibt es in Deutschland keinen Grund zum Jubeln, meint Stefan Gäde, Analyst bei der HSH Nordbank.

Endlich! Deutschland hat es geschafft und befindet sich wieder auf Wachstumskurs. Vom unerwartet hohen Anstieg des BIP im zweiten Quartal profitiert auch die Eurozone, wo nach eineinhalb Jahren die Rezession zu Ende zu gehen scheint. Erfreulich haben sich ebenfalls die deutschen Staatsfinanzen entwickelt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es vor allem wegen der robusten Beschäftigungslage einen Haushaltsüberschuss von 8,5 Milliarden Euro, so viel wie zuletzt vor 13 Jahren. Trotz der florierenden Wirtschaft gibt es keinen Grund zum Jubeln.

Gerade Deutschland weist nach einer Studie des DIW starke Defizite bei Wachstum und Investitionen auf. So legte die Wirtschaft hierzulande seit 1999 mit geringeren Raten zu als der Durchschnitt der Eurozone. Das größte Problem ist den Experten des DIW zufolge aber eine jährliche Investitionslücke, die drei Prozent des BIP oder rund 75 Milliarden Euro ausmacht. Vor diesem Hintergrund fällt es schwer, in Deutschland von einem nachhaltigen Wachstum zu sprechen, das über die entsprechenden Lohnsteigerungen den Lebensstandard der Menschen verbessert.

Offensichtlich und viel diskutiert sind die Mängel der seit Jahren vernachlässigten Infrastruktur, vor allem bei Straßen und Brücken. Ebenso problematisch ist der Investitionsstau im Bereich Energie, der jetzt, wo die Energiewende umgesetzt werden soll, doppelt so schwer wiegt wie zuvor. Voller Unzulänglichkeiten ist auch der für die Zukunft so wichtige Bildungssektor. Deutschland leistet sich hier – gemessen am BIP -unterdurchschnittliche Bildungsausgaben. In erster Linie schneidet im internationalen Vergleich die frühkindliche Erziehung schlecht ab. Auch hier kann eine Volkswirtschaft mit gezielten Investitionen hohe Renditen erzielen.

Deutschland steht am Beginn einer zyklischen Erholung. Deshalb dürfte sich der Aufwärtstrend der Wirtschaft beschleunigt fortsetzen. Das schafft Luft, nicht nur für die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, sondern vor allem für Investitionen. Die Zeiten sind angesichts der relativ niedrigen Zinsen günstig. Sowohl die Politik als auch die Unternehmen sollten jetzt das Fundament für nachhaltiges Wachstum legen. Dies hätte mittelfristig sogar einen positiven Nebeneffekt: Es schafft Spielraum für den Abbau der Verschuldung.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank