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Wochenkommentar
31.07.2013

Mehr Transparenz bei den Entscheidungen der EZB sorgt für mehr Vertrauen und Orientierung, meint Stefan Gäde, Analyst bei der HSH Nordbank.

Die Klagen über die Kommunikation der Notenbanken sind berechtigt. Überraschende Aussagen haben in den letzten Wochen starke Kursausschläge verursacht und viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Zunächst war es Ben Bernanke, der bekanntgab, die Anleihe-Ankäufe der Fed reduzieren zu wollen. Ebenso wenig erwartet wurde die Ankündigung von Mario Draghi, die EZB wolle den Leitzins über einen „längeren Zeitraum“ auf niedrigem Niveau belassen.

Turbulenzen an den Kapitalmärkten auszulösen, kann eigentlich nicht im Sinne der Notenbanken liegen, denn das Vertrauen ist eines der höchsten Güter von Fed und EZB. Wichtige Voraussetzungen dafür sind klare Aussagen und transparente Entscheidungen. Die Fed ist zumindest bei der Transparenz ein Vorbild. Sie publiziert regelmäßig die Sitzungsprotokolle des Offenmarktausschusses. Dass es bei der Klarheit hapert, hat Tradition. So versteckte Bernankes Vorgänger Alan Greenspan seine meist indirekten Aussagen gerne in komplizierten Sätzen. Auch Bernanke hat lange Zeit vieles offengelassen. Nun ist klar, dass die Fed zum Jahresende mit der Reduzierung des QE-Programms beginnen und voraussichtlich zur Jahresmitte 2014 keine Anleihen mehr ankaufen wird.

So weit ist die EZB noch lange nicht. Allerdings hat Draghi auf der Pressekonferenz im Juni einen Richtungswechsel eingeleitet und mit dem Motto seines Vorgängers Jean-Claude Trichet gebrochen: „We never pre-commit“ (Wir legen uns niemals im Vorhinein fest). Stattdessen hat er den Begriff der „Forward Guidance“ eingeführt. Ziel ist es, das Handeln der EZB in der nächsten Zukunft vorausschaubarer zu machen. Jetzt soll ein nächster Schritt folgen. Draghi hat sich dafür ausgesprochen, dass die EZB ihre Sitzungsprotokolle veröffentlicht. Umstritten ist dabei, ob auch das Abstimmungsverhalten der 23 Ratsmitglieder dokumentiert werden soll. Ähnlich wie der US-Notenbank würde dann aus den Protokollen hervorgehen, wer wie und mit welcher Begründung abgestimmt hat.

Unabhängig von der endgültigen Umsetzung ist das Vorgehen von EZB-Chef Draghi ein deutliches Bekenntnis zu mehr Transparenz. Das Wichtigste ist aber, dass die EZB Vertrauen gewinnt und die Orientierung der Kapitalmärkte verbessert.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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