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Wochenkommentar
25.07.2013

Japan muss tiefgreifende Reformen vornehmen. Die Stunde der Wahrheit rückt näher, meint Stefan Gäde.

Die japanische Konjunkturrakete steht kurz vor der Zündung ihrer dritten Stufe, der Umsetzung tiefgreifender Reformen. Zwar haben die ersten beiden Stufen, die Schnürung staatlicher Konjunkturpakete und die Öffnung der Geldschleusen, der lahmenden Wirtschaft Beine gemacht. Aber das Risiko ist groß, dass die Stagnation der letzten Jahre anhält. Die Probleme sind vielfältig. Einem selbsttragenden Aufschwung stehen unter anderem der unflexible Arbeitsmarkt, die zunehmende Überalterung der Gesellschaft oder die überbordende Staatsverschuldung entgegen.

Dabei sind heute die Voraussetzungen, Reformen umzusetzen, so gut wie schon lange nicht mehr. Die Koalition von Ministerpräsident Abe ist aus den Wahlen zum Oberhaus als klarer Sieger hervorgegangen. Deshalb kann die Regierung erstmals seit Jahren ohne ein Vetorecht der politischen Gegner agieren. Für den Herbst sind weitere Schritte angekündigt. Abe steht in der Pflicht. Er hat wirtschaftlichen Aufschwung und steigenden Wohlstand versprochen. Innerhalb von zehn Jahren soll das Pro-Kopf-Einkommen um ein Drittel zulegen. Um das zu erreichen, müssen starke Kräfte freigesetzt werden, sowohl in der Binnen- als auch in der Exportwirtschaft.

Darüber hinaus kommt man nicht umhin, den Standort Japan für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Ob Abe aber den Mut und den Rückhalt hat, Reformen gegen starke Interessengruppen – auch in der eigenen Partei – durchzusetzen, ist fraglich, besonders nach den wenig überzeugenden Maßnahmen der dritten Stufe, die im Juni vorgestellt wurden.

Die Zeit drängt, denn die Nebenwirkungen der "Abenomics" sind nicht mehr zu übersehen. Angesichts der brachialen Inflations- und Verschuldungspolitik sind die Zinsen gestiegen und die Staatsschuldenquote befindet sich in schwindelerregender Höhe. Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Das Land kann sich keine weiteren Jahre mit verpassten Gelegenheiten mehr erlauben und muss seine Strukturen zügig anpassen. Scheitert Abe, wird die Konjunkturrakete wohl explodieren und mit ihr die Preisblasen am Aktien- und Immobilienmarkt. Die Welt drückt Japan die Daumen.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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