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17.07.2013

Die Abkehr vom alten Wirtschaftskurs in China ist mehr als überfällig, meint Stefan Gäde.

Mit Sorgen blickt die Welt in diesen Tagen auf China. Der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft ist ins Stottern geraten. Nach einem Plus von 7,7% im ersten Quartal dieses Jahres legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal „nur noch“ um 7,5% zu. Es droht das geringste Wachstum seit 23 Jahren. Ein Hauptgrund dafür ist der deutlich an Schwung verlierende Export als Folge der sich abschwächenden Konjunktur in vielen Abnehmerländern. Experten zufolge läuft das Reich der Mitte nun sogar Gefahr, sein offizielles Wachstumsziel von 7,5% für 2013 zu verfehlen. Sie verweisen zudem immer wieder auf die Schwächen des Finanzsystems, die jederzeit eine schwere Finanzkrise auslösen könnten. Vor diesem Hintergrund dürften die Turbulenzen auf dem chinesischen Geldmarkt im Juni nur ein erster Fingerzeig gewesen sein. Die Stunde der Pessimisten hat geschlagen.

Dennoch: Es führt kein Weg zurück zu den zweistelligen Wachstumsraten der beiden letzten Dekaden. Die Abkehr vom alten Wirtschaftskurs, der auf den Export von preiswerten Konsumgütern und prestigeträchtige Infrastrukturprojekte setzte, ist mehr als überfällig. So setzt die neue chinesische Regierung verstärkt auf Reformen. Deren Ziel, den Binnenkonsum zu fördern und die Abhängigkeit der Wirtschaft von den Exporten zu verringern, ist unstrittig. Aber die Anzahl der Baustellen ist groß und die Maßnahmen sind bislang noch wenig konkretisiert worden. Nach jüngsten Aussagen der Politik soll der innovative Mittelstand gefördert werden. Staatsbetriebe mit Überkapazitäten wie die Werften müssen sich hingegen auf eine Schrumpfkur gefasst machen, nicht zuletzt durch die Beschränkung der Kreditaufnahme. Mehr Klarheit dürfte es im Oktober geben, wenn das Zentralkomitee tagt.

China steht vor einer historischen Zäsur. Es wäre naiv zu glauben, dies würde ohne größere Verwerfungen mit entsprechenden Auswirkungen auf die globale Konjunktur und die Finanzmärkte vonstattengehen. Die Zeiten, in denen die chinesische Regierung große Konjunkturpakete auflegte, um die ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen, sind endgültig vorbei.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

 

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