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Fed-Strategie

US-Geldpolitik - Fed manövriert sich auf das Abstellgleis

19.06.2013

Bernanke richtet mit seiner Politik dauerhaften Schaden an, meint Cyrus de la Rubia.

Stellen Sie sich die amerikanische Volkswirtschaft als einen Zug vor, der aus mehreren Triebwagen besteht und bergauf fährt. Die einzelnen Triebwagen repräsentieren die unterschiedlichen Wirtschaftssektoren und in guten Zeiten fährt dieser Zug in einem ordentlichen Tempo. Dabei wird die Geschwindigkeit durch das reale Wirtschaftswachstum und die Inflation bestimmt, gemeinhin bekannt als nominales Wirtschaftswachstum.

Mit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 haben plötzlich die Motoren nahezu aller Triebwagen versagt. Der Zug rollte zeitweise sogar rückwärts. In Reaktion darauf hat die Regierung eine Lokomotive vor den Zug gespannt, die US-Notenbank bzw. die Fed. Der Treibstoff, den die Fed verwendet, ist frisch gedrucktes Geld, derzeit etwa 85 Mrd. USD pro Monat.

Lokomotivführer Ben Bernanke

Die Fed hat es geschafft, den Zug wieder flott zu bekommen. Mittlerweile funktionieren auch die Motoren der meisten Triebwagen ganz ordentlich. Und genau dies sorgt innerhalb der Notenbank für Unruhe. Einige Mitglieder argumentieren, dass die Energiezufuhr für die Lokomotive gedrosselt werden und der Zug allmählich selbstständig fahren sollte. Geschehe dies nicht, könnte das Tempo zu hoch werden bzw. die Inflation zu sehr steigen und den Zug zum Entgleisen bringen.

Die Fraktion um den Lokomotivführer Ben Bernanke hält dem entgegen, dass bei einer Verringerung der Energiezufuhr - sprich: ein geringeres Volumen an Geld - die Motoren der einzelnen Triebwagen wieder Schaden nehmen könnten.

Fed behindert Strukturwandel

Bernanke übersieht dabei etwas Entscheidendes. Ein Zug, der nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktioniert, fährt in einem wechselnden Tempo und bleibt durchaus auch mal stehen. In diesem Prozess werden üblicherweise einige Triebwagen, deren Motoren nicht mehr zu reparieren sind, auf das Abstellgleis geschoben. Man nennt dies Strukturwandel. Er ist überlebensnotwendig für eine Marktwirtschaft. Setzt die Fed Ihre Politik unverändert fort,  könnte sie bald selbst auf das Abstellgleis geschoben werden.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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