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Fed-Strategie
05.06.2013

Die Argumentation vieler Analysten für einen stärkeren US-Dollar und einen schwächeren Euro steht auf sehr wackeligen Füßen, meint Cyrus de la Rubia.

In diesen Tagen revidieren viele Marktbeobachter ihre Euro-US-Dollar-Prognosen zugunsten der amerikanischen Währung. Als wichtiger Grund wird die unterschiedliche Ausrichtung der Geldpolitik der EZB und der Fed genannt. Die EBZ lockere ihre monetären Zügel, während bei der Fed ein Ende der expansiven Geldpolitik in Sicht sei. Diese Behauptung ist schlicht falsch.

Früher hat man den Grad der geldpolitischen Lockerung anhand der Höhe der Leitzinsen gemessen. In Zeiten der Nullzinspolitik ist dagegen die monatliche Veränderung der Bilanzsumme der Notenbanken der bessere Maßstab. Denn sie bildet die Liquidität ab, die in die Märkte gepumpt wird. Und da dürften viele Marktbeobachter überrascht sein: Die Bilanzsumme der EZB sinkt und die der Fed steigt. D.h. tatsächlich betreibt die Fed nach wie vor eine expansive Geldpolitik, während die EZB ihre Zügel strafft.

Richtig ist zwar, dass die US-Notenbank verstärkt diskutiert, das Anleiheankaufprogramm (ein anderer Ausdruck für das Drucken von Geld) allmählich zu reduzieren. Das heißt jedoch nicht, dass die Fed den Märkten Liquidität entziehen möchte, sondern sie nicht mehr ganz so viel Geld in die Märkte zu pumpen beabsichtigt. Konkret könnte das beispielsweise ein Rückgang der monatlichen Anleiheankäufe von derzeit 85 Milliarden US-Dollar auf 65 Milliarden US-Dollar zum Jahresende bedeuten. Damit würde die Bilanzsumme weiterhin kräftig steigen – das ist alles andere als eine restriktive Geldpolitik.

Der in den vergangenen Monaten zu beobachtende Rückgang der Bilanzsumme der EZB ist mit den vielen Banken zu erklären, die freiwillig die von der EZB ausgeliehene Liquidität an die Notenbank zurückgeben. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Monaten vermutlich fortsetzen.
Damit steht die Argumentation für einen stärkeren US-Dollar und einen schwächeren Euro auf sehr wackeligen Füßen. Sollten sich die Erholungsanzeichen in der Eurozone verdichten, dann spricht die Geldpolitik für eine Aufwertung des Euro und eine Abwertung des US-Dollar.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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