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Wochenkommentar
23.05.2013

Angesichts der überreichlichen Liquidität und niedriger Zinsen herrscht Anlagenotstand und Performancedruck. Das sollte aber nicht dazu verleiten, unkalkulierbare Risiken einzugehen, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Die Aktienmärkte jagen von einem Rekord zum nächsten. Egal ob Dax, Nikkei oder Dow Jones, die globale Rallye kennt angesichts der überbordenden Liquidität momentan keine Grenzen. Schon werden Dax-Kursziele von 9.500 Punkten ausgerufen. Dennoch stellen sich immer mehr Marktteilnehmer im Hinblick auf die atemberaubenden Gewinne der letzten Monate besorgt die Frage, ob die Kursniveaus fundamental zu rechtfertigen sind. Aktien sind eine Wette auf die Zukunft. Aber rosig sieht die eigentlich nicht aus.

Die Eurozone war im ersten Quartal dieses Jahres noch voll im Griff der Rezession und vorlaufende Indikatoren wie die PMI’s liegen mehrheitlich unterhalb der Expansionsschwelle. Auch in Japan kommt die Wirtschaft nur dank der brachialen „Abenomics“ voran, in erster Linie aufgrund der ultralockeren Geldpolitik und des massiv abwertenden Yens. Davon profitieren viele exportorientierte japanische Unternehmen, die in den vergangenen Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben. In den USA ist ebenfalls nicht alles Gold, was glänzt. Die Wirtschaft schäumt ganz und gar nicht über. Sie wächst zwar solide, jedoch auf relativ niedrigem Niveau. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass das Gewinnwachstum vieler US-Unternehmen häufiger das Resultat von Kosteneinsparungen ist als von steigenden Erlösen. Zudem werden der Gewinn je Aktie und die Börsenkurse von teilweise sehr großvolumigen Aktienrückkaufprogrammen beflügelt.

Besorgt über die Entwicklung an den Finanzmärkten ist nicht nur Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Auch den hauptsächlichen Verursachern der weltweiten Geldschwemme, den US-Notenbankern, wird langsam mulmig zu Mute. So zweifeln immer mehr Mitglieder des Offenmarktausschusses an der Strategie der massiven Anleihenankäufe. Momentan pumpt die Fed monatlich 85 Mrd. US-Dollar mit dem Ziel in die Märkte, die Zinsen niedrig zu halten und die Wirtschaft auf einen stabilen Wachstumspfad zurückzuführen.

Inzwischen gibt es viele Nachahmer, insbesondere die Bank of Japan. Allerdings wird dabei verkannt, dass der Zins auf einem derart niedrigen Niveau wie zurzeit seine Allokationsfunktion verliert. Das heißt nichts anderes, als dass Geld nicht unbedingt dort investiert wird, wo es den größten volkswirtschaftlichen Nutzen stiftet. Dies haben die Notenbanker erkannt und sprechen immer häufiger von Asset-Blasen und den Kosten der expansiven Geldpolitik. Ungeachtet dessen ist ein Ende der Niedrigzinsphase nicht absehbar, trotz der jüngsten Ausführungen von Fed-Chef Bernanke vor dem Kongress, das QE-Programm möglicherweise zu reduzieren.

Eins ist sicher: Angesichts der überreichlichen Liquidität und niedriger Zinsen herrscht Anlagenotstand und Performancedruck. Das sollte aber nicht dazu verleiten, unkalkulierbare Risiken einzugehen – schon gar nicht an den Aktienmärkten. Der heutige Kurseinbruch des Nikkei-Index um mehr als sieben Prozent ist ein Warnsignal.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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