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Wochenkommentar

Die USA muss geldpolitisch globale Verantwortung übernehmen

15.05.2013

Wenn Staaten beginnen, ihre Zentralbankpolitik als Abwehrmaßnahme gegen die monetären Maßnahmen der global dominierenden Fed zu verstehen, dann ist ein Währungs- und ein Handelskrieg nicht weit entfernt, meint Cyrus de la Rubia.

"Die Fed ist unsere Zentralbank, aber Euer Problem", sagte US-Notenbankchef Bernanke. Nein, hat er nicht. Aber er hätte es in Anlehnung an die Aussage des ehemaligen Finanzministers John Connally sagen können, denn die US-Geldpolitik wird immer mehr zu einem globalen Problem. Die von der amerikanischen Zentralbank Monat für Monat in die Märkte gepumpte Liquidität breitet sich nicht nur global aus, sondern sorgt auch für monetäre Abwehrmaßnahmen, durch die ihrerseits noch mehr Liquidität geschaffen wird. Blasenbildungen und das Platzen von Blasen werden damit unvermeidlich.

Das beste Beispiel für Abwehrmaßnahmen ist Japan. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 hat Japan in geldpolitischer Hinsicht bis vor kurzem mit geradezu stoischer Ruhe reagiert. Da jedoch die US-Notenbank ihre Bilanzsumme in diesem Zeitraum etwa verdreifacht hat, wertete der japanische Yen massiv auf und brachte damit exportorientierte Unternehmen wie Toyota, Sony und Toshiba in Bedrängnis. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe wollte sich das offensichtlich nicht mehr gefallen lassen und hat die Notenbank in diesem Jahr angewiesen, nachzuziehen. Im Ergebnis pumpt die Bank of Japan nunmehr umgerechnet 75 Milliarden USD pro Monat in die Märkte, die sich ihren Weg in andere Marktsegmente bahnen.

Nun wehren sich auch andere Länder. Südkorea hat den Leitzins im Mai gesenkt, Israel hat es kürzlich dem asiatischen Land gleich getan und China ergreift Maßnahmen, um den Zufluss an Devisen zu bremsen, der vielfach an den Kapitalverkehrskontrollen vorbei ins Land strömt. Sie alle wollen verhindern, dass ihre Währung zu stark aufwertet und auf diese Weise die Wirtschaft ins Trudeln kommt.

Sowohl aus geldpolitischer als auch aus globaler Sicht gibt es hier Reformbedarf. Die Zielfunktion einer Notenbank sollte nicht nur auf Güterpreisstabilität und Wachstum ausgerichtet sein, sondern in gleichberechtigter Weise die langfristige (internationale) Finanzmarktstabilität beinhalten. Eine Zentralbank müsste dann auch die Kosten von lang anhaltenden Niedrigzinsphasen und überschüssiger Liquidität in ihren Entscheidungen berücksichtigen. Außerdem bedarf es einer internationalen Koordination der Geldpolitik, die im G-20-Gremium oder dem IWF angesiedelt sein sollte. Denn wenn Staaten beginnen, ihre Zentralbankpolitik als Abwehrmaßnahme gegen die monetären Maßnahmen der global dominierenden Fed zu verstehen, dann ist ein Währungs- und ein Handelskrieg nicht weit entfernt. Dieser Gefahr muss begegnet werden.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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