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Wochenkommentar
04.04.2013

Italien taumelt wirtschaftlich immer weiter dem Abgrund entgegen. Das Land braucht beherzte Reformen, um die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Zypern hat die Eurozone wieder in den Krisenmodus zurückgeworfen. Dabei ist das kleine Zypern momentan nicht das Hauptproblem Europas. Das eigentliche Sorgenkind ist Italien. Zwar haben die sich seit Ende 2011 stetig verbessernden Finanzierungsbedingungen von den Problemen abgelenkt. Tatsache ist jedoch: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone taumelt wirtschaftlich immer weiter dem Abgrund entgegen. Bislang ist die Nachfrage nach italienischen Staatsanleihen hoch, aber wie lange noch?

Italien steckt in der schwersten Rezession seit Jahrzehnten. Die Spielräume der Politik, die Folgen für die Bevölkerung abzufedern, sind angesichts einer Staatsschuldenquote von 127% mehr als gering. So beträgt die Arbeitslosenquote über 11%, bei den Jugendlichen sogar nahezu 38%. Wie in vielen anderen Ländern treffen in Italien konjunktureller Abschwung, hohe Staatsschulden und strukturelle Probleme zusammen. Hinzu kommt die politische Krise. Dem Reformkurs von Regierungschef Monti erteilten die Wähler im Februar eine Absage. Eine Mehrheit für eine neue Regierung zeichnet sich allerdings nicht ab. Um die gegenseitige Blockade zu überwinden, hat Staatspräsident Napolitano jetzt eine Expertenkommission eingesetzt. Sie soll Vorschläge für die so dringend benötigten Reformen ausarbeiten. Die Parteien unterstützen diesen Plan aber nicht, sie setzen wohl schon auf baldige Neuwahlen. Ob sich dann die Mehrheitsverhältnisse entscheidend ändern, ist jedoch fraglich. Es könnte sogar noch schlimmer kommen, denn nach letzten Umfragen hat das Parteienbündnis um den reformresistenten Ex-Ministerpräsidenten Berlusconi stärkeren Zuspruch erhalten.

Die Zeit drängt. Bei der Ratingagentur Moody’s steht Italien unter stärkerer Beobachtung. Ohne weitere Reformschritte dürfte das Rating ins Wackeln geraten. Der Vertrauensvorschuss der Märkte könnte bald aufgebraucht sein und das Risiko deutlich steigender Zinsen zunehmen. Die Politiker sollten nicht länger taktieren. Italien braucht beherzte Reformen, um die verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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