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10.04.2013

Japan steuert durch die neue Geldpolitik auf eine offene Staatsschuldenkrise zu, meint Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Zwei ist die magische Zahl, mit der der Kurswechsel in der japanischen Geldpolitik zusammengefasst werden kann: In zwei Jahren soll die Bilanzsumme der Bank of Japan verzweifacht werden und die Inflation auf zwei Prozent steigen. Man könnte meinen, dass die japanische Notenbank derzeit von einem Marketingmanager und nicht von einem Ökonomen geleitet wird. Dieser Eindruck drängt sich auch auf, wenn man an die gravierenden Risiken denkt, die mit dieser Politik verbunden sind. Und so dürfte die Jubelstimmung, die in der unmittelbaren Reaktion am japanischen Aktienmarkt zu beobachten war, bald wieder verfliegen.

Jeden Monat will die Bank of Japan für umgerechnet etwa 75 Mrd. US-Dollar Staatsanleihen erwerben, was 1,6% des BIP entspricht. Zum Vergleich: Die amerikanische Notenbank kauft derzeit Anleihen im Wert von 0,5% des BIP, was auch schon als sehr aggressiv bezeichnet werden muss. Die IWF-Chefin Christine Lagarde hat den neuen Notenbankchef Haruhiko Kuroda für seinen radikalen Kurs gelobt. Offensichtlich ist sie – zusammen mit dem angelsächsischen Mainstream – der Meinung, dass die Geldschwemme zu positiven Vermögenseffekten und mehr Risikobereitschaft führt und somit das Wachstum in Gang bringt.

Dabei werden aber einige grundlegende ökonomische Zusammenhänge schlichtweg außer Acht gelassen. Wenn die Inflation auf zwei Prozent klettert, dürfte ein entsprechender Anstieg der Staatsanleiherenditen kaum zu vermeiden sein, denn die Investoren werden sich nicht mit einer negativen Realrendite zufrieden geben. Damit steigt jedoch die Zinslast des hochverschuldeten Landes. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht so abwegig, dass das Land auf eine offene Staatsschuldenkrise wie in Griechenland zusteuert. Die ungünstige Demografie hat außerdem dazu beigetragen, dass die japanischen Haushalte so gut wie keine Ersparnis mehr beiseitelegen. Daher wird der Staat in Zukunft verstärkt auf ausländische Investoren angewiesen sein, die sich aber nicht dauerhaft mit Nullrenditen werden abspeisen lassen. Platzende Assetpreisblasen und erneute Finanzmarktturbulenzen sind weitere Kollateralschäden, die mit der neuen Geldpolitik einhergehen dürften.

Japan kann seine Strukturprobleme nicht mit Geld zuschütten. Sowohl für Japan als auch für die Weltwirtschaft ist dieser Weg gefährlich. Die Regierung muss realisieren und den Menschen klar machen: Nur schmerzhafte Strukturreformen können das Wohlfahrtsniveau langfristig erhalten und Japan retten.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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