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Stabilitätsbericht des IWF
17.04.2013

Der Internationale Währungsfonds benennt die Gefahren der ultra-lockeren Geldpolitik, zieht daraus aber die falschen Schlussfolgerungen, meint Cyrus de la Rubia.

Keiner wird behaupten, dass es einen Unterschied macht, ob ein Portemonnaie von einem professionellen Langfinger oder einem Gelegenheitsganoven gestohlen wird. In beiden Fällen ist das Ergebnis das gleiche: Das Geld ist weg.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) scheint das in Bezug auf die Zentralbankpolitik anders zu sehen. So analysiert der IWF in seinem jüngst veröffentlichten  Bericht zur Finanzmarktstabilität die Niedrigzinspolitik der Notenbanken und unterscheidet fein säuberlich zwischen Güterpreisinflation und Vermögenspreisinflation, übersieht dabei aber, dass die Wirkungen beider Inflationsarten sehr ähnlich sind: Sparer werden enteignet und Kapital wird fehlgeleitet. In diesem Umfeld werden Investoren und Konsumenten verunsichert und das Wirtschaftswachstum leidet.

Für die Betroffenen ist es somit kein Trost, dass die Güterpreise nur langsam steigen. Denn wenn gleichzeitig der Kauf eines Hauses unerschwinglich wird und das Ersparte nirgendwo mit einer zuverlässigen und ordentlichen Rendite angelegt werden kann, ist das Geld so oder so weniger wert.

Eines muss man dem IWF dennoch zugutehalten: Immerhin weist er in seinem Stabilitätsbericht auf die zunehmenden Risiken hin, die von der lang anhaltenden Niedrigzinspolitik der Notenbanken ausgeht. So stellt der IWF fest, dass die Geldpolitik die Finanzmärkte zunächst stabilisiert hat. Je länger jedoch die Niedrigzinspolitik anhält, desto größer ist nach Aussagen des Fonds die Gefahr, dass die Finanzmärkte wieder aus dem Ruder laufen. Beispielsweise decken sich die Banken im aktuellen Zinsumfeld immer stärker mit langfristigen Wertpapieren ein, was bei einem Zinsanstieg jedoch zu gravierenden Verlusten führen kann.

Über diese Warnungen hinaus geht der IWF aber nicht. Insbesondere scheut er davor zurück, den Notenbanken den kurzfristigen Rückzug aus der aggressiven Geldpolitik nahe zu legen. Stattdessen verweist der IWF auf gezielte Eingriffe in einzelne Marktbereiche. Das Problem dabei: Weder ist die Datenlage umfassend genug, um entsprechende Risiken zu erfassen, noch sind die Regulatoren von ihrem Know-How und ihren Personalkapazitäten ausreichend ausgestattet, um alle Gefahren zu erkennen.

Fazit: Der IWF liefert in seinem Stabilitätsreport eine gute Analyse der Probleme, die mit der ultra-lockeren Geldpolitik einhergehen. Er zieht jedoch die falschen Schlussfolgerungen. Statt wie der IWF auf die Fähigkeit der Regulatoren zu vertrauen, Probleme auf der Mikroebene rechtzeitig zu erkennen, sollte mit Hilfe einer Straffung der Geldpolitik endlich gegengesteuert werden. Es wird Zeit, dass Ruder herumzureißen.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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