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Wochenkommentar
16.11.2012

Griechenland arbeitet an seiner Wettbewerbsfähigkeit. Diesen Schwung gilt es zu nutzen und nicht unrealistischen Zielen bei der Staatsschuldenquote zu opfern. Griechenland ist auf dem richtigen Weg, aber es braucht Zeit, um Luft zu holen, meint Stefan Gäde.

Momentan streiten die Finanzminister der Eurogruppe mit dem Internationalen Währungsfonds um die Kreditbedingungen Griechenlands. Im Kern geht es darum, wann Griechenland seine Staatsschuldenquote auf 120% zurückgeführt haben muss. Ursprünglich hatte die Troika mit der griechischen Regierung das Jahr 2020 als Ziel ausgehandelt. Die EU hat sich für eine Verlängerung um zwei Jahre ausgesprochen. Der Internationale Währungsfonds beharrt hingegen auf 2020. Mittlerweile sind alle Pläne Makulatur – wegen der dramatischen Rezession, schleppender Strukturreformen und dem zu langsamen Verkauf von staatlichen Vermögenswerten. Unterschätzt wurde vor allem die Dynamik der Abwärtsspirale, die aus den drastische Einsparungen im staatlichen Haushalt und den fortschreitenden Arbeitsniederlegungen resultiert.

Und diese Abwärtsspirale dreht sich weiter. Werden alle Einsparungen wie geplant umgesetzt, droht Griechenland genauso wie den USA eine fiskalische Klippe, aber mit viel schwerwiegenderen Folgen. Während in den USA die Ausgabenkürzungen bis zu 4,4% des BIP ausmachen könnten, sind es in Griechenland 5 bis 7%. Allerdings befindet sich Griechenland in der Rezession, während sich die US-Konjunktur auf dem aufsteigenden Ast befindet.  Und die Perspektiven für Griechenland sind auch 2013 nicht erfreulich. Es darf jedoch nicht vergessen werden: Griechenland arbeitet an seiner Wettbewerbsfähigkeit. Die niedrigeren Lohnkosten machen griechische Produkte konkurrenzfähiger. Das sollte mittelfristig Investitionen anlocken. Niederschlagen würde sich dies in Wachstum und höheren Steuereinnahmen. Als Voraussetzung dafür muss aber das Gespenst des Euro-Ausstiegs endgültig verschwinden.

Klar ist: Der Anpassungsprozess braucht Zeit, und zwar umso mehr, als die Rezession in Europa um sich greift. In Griechenland herrscht sie schon im fünften Jahr und die Wirtschaftsleistung des Landes ist gegenüber dem Höchststand vor der Krise schon um fast 20% gesunken. Die Griechen strengen sich sichtbar an. Diesen Schwung gilt es zu nutzen und nicht unrealistischen Zielen zu opfern. Griechenland ist auf dem richtigen Weg, aber es braucht Zeit, um Luft zu holen.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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