SUCHE

FASHION-BRANCHE
30.09.2016

Online- und stationärer Handel müssen künftig stärker Hand in Hand gehen. Das zeigt eine Studie des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) und der HSH Nordbank. Studienleiter Kai Hudetz über gestiegene Kundenansprüche – und wie Unternehmen den Anschluss behalten.

Die Vorlieben und Ansprüche der Kunden ändern sich rasant (©Getty Images)

Die Vorlieben und Ansprüche der Kunden ändern sich rasant (©Getty Images)

Herr Hudetz, worauf legen Kunden heute Wert beim Mode-Shopping?
Sie wollen die Wahl haben und verschiedene Kanäle nutzen können. Wenn sie zum Beispiel eine kaputte Jeans ersetzen müssen, möchten die Kunden dazu nicht erst verschiedene Läden abklappern. Sie suchen in einem solchen Fall verstärkt im Internet, weil sie das Informationsangebot und die Schnelligkeit schätzen. Diese gezielten Käufe ersetzen jedoch nicht den Shopping-Bummel am Wochenende, bei dem die Kunden einfach stöbern wollen. Sie kombinieren die verschiedenen Kanäle je nach Situation. Für Modehändler ist daher eine enge Verzahnung von online und offline wichtig.

Wird es in fünf Jahren den stationären Modehandel überhaupt noch geben?
Der Kauf von Mode ist noch immer etwas sehr Haptisches: Die Menschen wollen die Sachen anfassen und ausprobieren. Shopping hat oftmals Erlebnischarakter, danach suchen die Kunden. Darum tut sich beispielsweise Amazon im Fashion-Segment schwerer als in anderen Branchen. Und nicht ohne Grund hat Zalando mittlerweile eigene Läden eröffnet. Selbst für die sogenannten Smart Natives, also junge Leute, die mit Handy und Internet aufgewachsen sind, gehören Shopping-Center noch immer zu den größten Inspirationsquellen beim Modekauf. Allerdings hat unserer Studie auch gezeigt, dass sich die Vorlieben und Ansprüche der Konsumenten stark verändern. Darauf muss der Handel reagieren.

Dr. Kai Hudetz ist Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung GmbH Köln (©IFH Köln)

Dr. Kai Hudetz ist Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung GmbH Köln (©IFH Köln)

Was muss der Mode-Handel tun, um nicht abgehängt zu werden?
Das Smartphone wird immer wichtiger. Eine App ist gut, ein für mobile optimierter Shop ist mittlerweile Pflicht. Die Seite muss gut navigierbar sein und schnell laden, sonst shoppen die Kunden einfach woanders weiter. Wir beobachten, dass die Ansprüche immer höher werden. Das Gleiche gilt für neue Services wie die Möglichkeit, Online-Käufe in Laden-Geschäften zurückzugeben. Was Kunden heute noch begeistert, erwarten sie morgen als selbstverständlich. Hier darf der Handel nicht stehen bleiben.

Gibt es zentrale Unterschiede zwischen den Generationen?
Für junge Leute spielen Blogs eine überdurchschnittliche Rolle bei der Inspiration. Händler sollten darum über die Kooperationen mit Bloggern oder ein eigenes Angebot nachdenken. Außerdem sind die Smart Natives aufgeschlossener gegenüber neuen Angeboten wie der Same-Day-Delivery, also der Lieferung einer Bestellung am selben Tag – aber auch anspruchsvoller. Es ist eine Generation, die nicht warten möchte, sondern gewohnt ist, Dinge sofort zur Verfügung zu haben. Diese jungen Leute sind die Vorboten: In Zukunft wird noch mehr Flexibilität im Modehandel Einzug halten.

Wie werden wir in Zukunft Mode einkaufen?
Als Kunden werden wir immer stärker die Wahl haben: Wo will ich mich informieren, wo will ich einkaufen, möchte ich die Tüten selber tragen oder mir das Paket in meinen Kofferraum liefern lassen? Möchte ich von einem Verkäufer, von Freunden oder von anderen Kunden beraten werden? Möchte ich im Laden vorbei gehen oder per Live-Chat Kontakt aufnehmen? Technologische Innovationen ermöglichen all das zum Teil schon heute. In Zukunft wird noch mehr möglich sein: Wenn es im Laden die Bluse nicht in der gewünschten Farbe gibt, werde ich sie in einer Stunde abholen oder nach Hause liefern lassen können. In den Geschäften wird die Inszenierung der Produkte stärker in den Fokus rücken. Es wird weniger Wühltische geben und dafür eine ansprechendere Präsentation der Sachen: große Bildschirme, interaktive Spiegel – alles, was uns emotional stärker anspricht und so zum Modekauf inspiriert.

 

Dr. Kai Hudetz ist seit August 2009 Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung GmbH Köln. Zuvor leitete er das dort angesiedelte E-Commerce-Center (ECC Köln), dessen Gründung er 1999 mitinitiierte. Als Autor von Studien und zahlreichen Fachartikeln beschäftigt er sich mit aktuellen Fragen des Handels im digitalen Zeitalter. Neben seiner Tätigkeit als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen, ist Kai Hudetz gefragter Speaker und Moderator auf verschiedenen Branchenevents.

Nach oben