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IfW-PROGNOSE
23.09.2015

Deutschlands Wirtschaft wächst – auch in den kommenden drei Jahren. Dank des Konsumanstiegs und fallender Arbeitslosenquote wird das Bruttoinlandsprodukt weiter steigen – trotz schwächelnder Schwellenländer.

Zunehmende Investitionen und hohe Konsumnachfrage lasten die Produktionskapazitäten aus. (Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Wirtschaft wächst – auch in den kommenden drei Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt die Herbstprognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Bis 2017 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,3 Prozent steigen, dieses und nächstes Jahr beliefen sich die Wachstumsraten auf 1,8 und 2,1 Prozent. Nur Chinas Schwäche setze den Hoffnungen auf Hochkonjunktur einen Dämpfer auf.

Der Binnenmarkt als Wirtschaftsmotor

Ein Grund für den Aufschwung erkennen die Kieler in der stärkeren Kaufkraft der Konsumenten. Dank höherer Löhne, steigenden öffentlichen Sozialleistungen und niedrigen Ölpreisen hätten die Haushalte mehr Geld im Portemonnaie. Die hohe Nachfrage zeige sich auch in der Beschäftigung: Trotz der Einführung des Mindestlohns und des damit verbundenen Dämpfers für den Arbeitsmarkt werde die Arbeitslosenquote neue Tiefstände erreichen. Nach IfW wird die Erwerbslosenquote bis 2017 auf 5,6 Prozent sinken. Hier ist nach Auffassung des Instituts vor allem die Politik gefragt: Um die starke Zuwanderung als Chance zu nutzen, müssten die Arbeitsmärkte für Migranten geöffnet werden. Der insgesamt starke Anstieg des Konsums solle schließlich einen Investitionsaufschwung begleiten, denn die Produktion bleibe weiterhin gut ausgelastet. Dessen ungeachtet investierten die Unternehmen insgesamt nach wie nur zögerlich.

Weltwirtschaftliche Unruhe als Risikofaktor

Risiken für den Export erkennt das IfW vor allem in der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Bis 2017 soll die Wachstumsrate des chinesischen BIP auf 6,7 Prozent sinken. Käme es dazu, warnt das IfW vor einer Weltrezession. „Aber auch die ultra-expansive Geldpolitik in den großen Währungsräumen sorgt für ein weiterhin bedrohtes, finanzwirtschaftliches Umfeld, das nicht zuletzt die Gefahr von Abwertungswettläufen birgt“, ergänzt Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter des IfW-Prognosezentrums. Demnach werden die USA die Zinsen wohl erst im Winter anheben. In den Staaten erwarten die Experten eine sukzessive Konjunktur und damit eine BIP-Steigerung um je drei Prozent in den Jahren 2016 und 2017. Jede Erhöhung der Zinsen durch die US-Notenbank lasse den Außenwert des Euro steigen. Der bleibe dennoch gering und trage damit zu einer breitenwirksamen Konjunktur bei. Billiges Öl und niedrige Zinsen unterstützten den Aufschwung und führen zu einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent. Der sogenannte Juncker-Plan für zusätzliche Investitionen trage jedoch kaum dazu bei. Was die Binnenwirtschaft und damit private Investitionen stärke, sei vielmehr das Wirtschaftswachstum.

Fazit: Vorsicht bleibt geboten

Niedrige Zinsen, warnen die Experten aus Kiel, verleiten zu Fehlinvestitionen und begünstigen Übertreibungen, die schließlich nur unter hohem Aufwand wieder korrigiert werden könnten. Deshalb bleibt der Weg zur Hochkonjunktur nach der Prognose des IfW steinig, obwohl Deutschland dank ausgeglichenem Staatshaushalt und ausgelasteten Produktionskapazitäten fast den wirtschaftlichen Idealzustand erreicht habe.

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