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29.07.2015

Schleswig-Holstein, nördlichstes Bundesland Deutschlands, braucht einen wirtschaftlichen Ruck. Die IHK Schleswig-Holstein schlägt Alarm und fordert im Rahmen ihrer aktuellen Studie unter anderem eine zentralisierte Unternehmenspolitik.

Wie heißt es so schön? „Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" – Schleswig-Holstein, braucht weit mehr als gute Wünsche damit es nicht vom Rest der Republik abgehängt wird. (Foto: picture alliance / Robert Harding)

Leistungsstärkeres Internet, effektivere Verkehrswege, mehr Fachkräfte, niedrigere Energiepreise und weniger Bürokratie fordert die IHK Schleswig-Holstein in ihrer aktuellen Untersuchung „Für eine starke Industrie in Schleswig-Holstein“. Auch sollen politische Zuständigkeiten gebündelt werden und nur ein Kieler Ministerium die Fäden in der Hand halten, die für Unternehmer wichtig sind.

Die IHK-Bestandsaufnahme der lokalen Wirtschaftskraft und die daraus abgeleiteten Politikvorschläge beruhen auf der Befragung von 2.259 Unternehmen der Region zwischen Flensburg und Lauenburg.

Schlusslicht Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist seit der deutschen Wiedervereinigung unterdurchschnittlich gewachsen. Die Bruttowertschöpfung des Bundeslandes hat noch nicht wieder das Niveau von vor der Finanzkrise erreicht – anders als der Rest Deutschlands. Zudem schrumpft der Anteil des Bundeslands an der republikweiten Wertschöpfung. Die Innovations- und Exportkraft vor allem verarbeitender Gewerbefirmen ist im Bundesvergleich geringer und ein Drittel der Firmen findet in Schleswig-Holstein keine geeigneten Mitarbeiter. Sechs Prozent planen angesichts dieser schlechten Standortbedingungen die Region sogar zu verlassen.

Komplexe Abstimmungsprozesse vereinfachen

Für insgesamt 29 Handlungsfelder fordert die IHK daher Taten von den Kieler Politikern. Auch gehe es darum, schwerfällige Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Bislang seien Internet und Verkehrsplanung die zentralen Themen für Unternehmen sowie Ausbildung und Energiepolitik, die aber jeweils in anderen Ministerien angesiedelt sind. „Ein konsequenter Schritt wäre es, die wesentlichen Zuständigkeiten für die Industrie im Wirtschaftsministerium als dem Ministerium zu bündeln, dessen Ziel die Förderung der Unternehmen im Land ist und das über die größte Wirtschaftskompetenz verfügt“, folgert die IHK-Studie.

Informationstechnologie aufrüsten

Die Befragung zeigt, wo den Unternehmern Schleswig-Holsteins der Schuh besonders drückt. Drei von vier Unternehmen sind etwa mit der Geschwindigkeit ihres Internetanschlusses beim Up- und Download nicht zufrieden. Fast jede fünfte Firma benötigt Geschwindigkeiten von 100 MB pro Sekunde – das ist doppelt so viel wie seitens der Politik geplant wird. Entsprechend wird die Kieler Regierung zur „schnellstmöglichen Schaffung einer flächendeckenden, ausreichend breitbandigen Internetversorgung mit einem zumindest vorübergehend möglichst breiten Technologiemix“ aufgefordert.

Die durch die Energiewende steigenden Stromkosten sind ein weiterer wichtiger Problempunkt der Unternehmer. Hier fordert die IHK unter anderem eine Senkung der Stromsteuer sowie eine Befreiung von der die Energiewende finanzierenden EEG-Umlage für Unternehmen, die Strom selbst herstellen.

Bessere Ausbildung und Straßen

Zudem solle die Landesregierung eine neue Schulpolitik konzipieren, „die bei einem Minimum an Schulabsolventen ohne Abschluss möglichst viele Schüler zu Ausbildungsreife und Berufsorientierung führt und den für die Industrie besonders wichtigen naturwissenschaftlichen Fächern ein besonderes Gewicht einräumt.“

Neben einer „lösungs- und kundenorientierten Verwaltung“ wünscht sich die IHK auch eine bessere Betreuung der Verkehrswege in Schleswig-Holstein: „Dafür müssen ausreichend Stellen in den Planungsbehörden und Gelder bereitgestellt werden – notfalls durch Einsparungen im Landeshaushalt an anderer Stelle.“