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Stiftung Maritime Forschung
26.05.2015

Die HSH Nordbank und Hamburger Reeder stiften an der Universität Hamburg den Lehrstuhl für maritime Forschung – mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft, Technik und Marktanalyse. Ziel ist es, die maritime Wirtschaft durch wissenschaftliche Forschung fördernd zu begleiten und Verantwortung gegenüber der Branche zu zeigen, die für Norddeutschland von zentraler Bedeutung ist. Das stärkt den maritimen Standort Hamburg. Wolfgang Topp, Generalbevollmächtigter der HSH Nordbank und dort für die Restructuring Unit verantwortlich, erklärt im Interview mit Unternehmer Positionen Nord die Bedeutung des neuen Lehrstuhls. 

Sticker Universität Hamburg.

Die neugegründete Stiftung finanziert zukünftig die Juniorprofessur „Maritime Management“ an der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Universität Hamburg. (Foto: picture alliance / dpa)

Wieso stiftet die HSH Nordbank zusammen mit Reedern in Hamburg einen Lehrstuhl für maritime Forschung?
Wolfgang Topp: Wir halten es für wichtig, sich über das Tagesgeschäft hinaus Gedanken über eine Strategie der Zukunft zu machen. Die gesamte maritime Wirtschaft muss sich überlegen, welche Innovationen es geben wird und wie sich die Schiffe, der Warenverkehr und die Häfen langfristig entwickeln und zwar mit einem Zeithorizont von mindestens 10 oder 15 Jahren.

Reedereien und Banken haben Analyseabteilungen. Was kann das neue „Research Center for Maritime Management“ an der Universität Hamburg besser?
Wolfgang Topp: Eine Universität hat einen wissenschaftlichen und keinen technischen Ansatz. Das kann ein großer Vorteil sein.

Weshalb?
Wolfgang Topp: Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern: An dem Lehrstuhl wollen wir nicht herausfinden, wie durch die Einstellung der Schiffsschraube fünf Prozent Treibstoff gespart werden können. Darüber denken jetzt schon viele Ingenieure nach. Aber kaum einer überlegt, ob die Schiffe in zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch von Schrauben angetrieben werden. Ich war gerade im Fraunhofer-Institut, extrem spannend. Die entwickeln ein Modell, bei dem der Schiffskörper die Form eines Segels hat. Losgelöst vom Tagesgeschäft darüber nachzudenken, wie die Märkte und Schiffe in Zukunft aussehen, dazu kann der Lehrstuhl hoffentlich wichtige Denkanstöße liefern.

Wolfgang Topp, Generalbevollmächtigter, Leiter Restructuring Unit, HSH Nordbank AG.

Wolfgang Topp, Generalbevollmächtigter, Leiter Restructuring Unit, HSH Nordbank AG (Foto: Sven Wied)

Wie kann die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis konkret aussehen?
Wolfgang Topp: Zum einen haben die Förderer der Stiftung interessante Fragestellungen, mit denen sich die Forscher beschäftigen können. Die Reeder haben wiederum Zugang zu riesigen Datenmengen, die von den Schiffen gesendet werden. Die können wiederum von der Universität genutzt werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die beiden Bereiche zu verzahnen.   

Inwieweit können die Forschungsergebnisse Reedern helfen, erfolgreich zu sein?
Wolfgang Topp: Eine Frage: Konnte man im Jahr 2004 voraussehen, dass die Containerschiffe heute 23 000 TEU haben? 2004 waren die größten Schiffe in der 8000 -TEU-Klasse. Damals hat jeder gesagt: Wahnsinn, wie will man diese Schiffe voll kriegen. Heute sind die Schiffe dreimal so groß. Vielleicht hätte eine Forschung damals Anzeichen erkennen können, dass das Wachstum weiter geht. Oder: Haben wir in zehn Jahren noch gigantischere Containerschiffe, bei denen Teile abgekoppelt und in Häfen geschleppt werden. Eine heute scheinbar unrealistische Idee. Aber wir müssen uns Gedanken machen, wie es weitergeht. Ich habe auf diese Fragen keine Antwort. Die Forschung vielleicht schon. Man muss immer versuchen, neue Wege zu gehen. Wir sind sehr froh, dass wir mit Professor Wolfgang Drobetz jemand gefunden, der hiervon auch fasziniert ist.

Für wie lange ist der Lehrstuhl für maritime Forschung gesichert?
Wolfgang Topp: Die HSH Nordbank hat die Stiftung gegründet, sieben Reeder haben eingezahlt, so sind insgesamt 1,2 Millionen Euro zusammengekommen. Damit ist der Lehrstuhl für sechs Jahre gesichert. Anfangs haben wir einen Professor und ein paar Doktoranten Das ist ein Anfang, eine zarte Pflanze. Die müssen wir fördern. Wir freuen uns über jeden Stifter, der sich daran beteiligt – und der dadurch Zugang zu interessanten Themen bekommt.