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Rententrends 05/2015
20.05.2015

Die US-Renditen steigen, obwohl die Konjunktur in den USA lahmt und einige Marktteilnehmer eine Verschiebung der Leitzinserhöhung bis in das nächste Jahr für möglich halten. Unerwartete und kräftige Korrektur hingegen bei den Bundesanleihen: Was steckt dahinter?

Janet Yellen

Die US-amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen warnt vor negativen Folgen der weltweit hohen Börsenkurse. (Foto: picture alliance / dpa)

USA: Schwache Konjunkturdaten lassen Fed über spätere Zinserhöhung nachdenken

Nach den enttäuschenden US-BIP-Daten für das erste Quartal ist die Mehrzahl der Konjunkturdaten auch im April hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Vor diesem Hintergrund stellt der Markt, der eine Zinserhöhung der US-Notenbank im Juni schon seit einigen Wochen ausgeschlossen hat, auch eine Leitzinsanhebung im September in Frage. Wir bleiben für das Gesamtjahr dennoch optimistisch und halten insbesondere die Schwäche beim privaten Verbrauch für vorübergehend, so dass die Fed zu Beginn des dritten Quartals wahrscheinlich erstmals seit 2008 wieder an der Zinsschraube drehen wird. Andere Marktbeobachter sind pessimistischer und führen nicht nur den (gegenüber Vorjahr) stärkeren US-Dollar und die negativen Investitionseffekte des niedrigen Ölpreises für die Ölförderzulieferindustrie als Grund für die Wachstumsverlangsamung an, sondern verweisen auch auf strukturelle Ursachen, insbesondere die schwache Entwicklung der Produktivität. Klar ist in jedem Fall: Die Abwärtsrisiken haben nach der jetzigen Datenlage zugenommen. Sollte sich die Konjunkturschwäche über das gesamte zweite Quartal ausweiten, dürfte die Fed verstärkt über eine spätere Zinserhöhung nachdenken. Trotz des gedämpften Konjunkturausblicks sind die langfristigen Renditen der US-Treasuries (10 Jahre) im vergangenen Monat um rund 40 Basispunkte gestiegen, was wohl in erster Linie auf die Entwicklungen an den europäischen Bondmärkten zurückzuführen ist.

Eurozone: Deutliche Korrektur am Rentenmarkt

Am Rentenmarkt hat eine deutliche Korrektur stattgefunden, bei der die Bund-Renditen zeitweise sprunghaft angestiegen sind. Anscheinend ist es mit der sich nicht mehr im negativen Bereich befindenden Inflationsrate (0%) und dem gestiegenen Ölpreis, die die Inflationserwartungen erhöhen, sowie dem verbesserten Konjunkturausblick zu einer Neubewertung des Marktes gekommen. In diesem Umfeld sind 10jährige Bunds mit einer Negativverzinsung oder mit einer Rendite nahe der Nulllinie nicht mehr angemessen. Angesichts des drohenden Showdowns im Schuldenstreit mit Griechenland ist allerdings ein Rücksetzer bei den Renditen nicht ausgeschlossen. Griechenland ist nahe der Zahlungsunfähigkeit, so dass eine Einigung mit seinen Kreditgebern immer mehr drängt. Die Konjunkturaufhellung bestätigt sich in der Eurozone: Im ersten Quartal 2015 ist die Wirtschaft mit 0,4% gegenüber dem Vorquartal gewachsen.

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