SUCHE

Digitalisierung

Zehn Technologien, die den Mittelstand verändern

15.04.2015

Vernetzte IT-Systeme, Bauteile aus dem Drucker, Tablets überall: Trendforscher haben herausgefunden, mit welchen digitalen Innovationen sich Unternehmer 2015 intensiver befassen sollten.

3D-Drucker beim drucken.

Technologien wie der 3-D-Druck sind aktuell häufig noch Spielerei, werden nach den Erkenntnissen von Trendforschern aber die Zukunft der industriellen Produktion maßgeblich beeinflussen. (Foto: picture alliance / ITAR-TASS)

Trendforscher müssen aus der Fülle technologischer Innovationen die Trends ermitteln, die für Unternehmen langfristig von Bedeutung sein werden. Bei den 650 Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner liegen die Hürden für „echte“ Trends entsprechend hoch. Für die Marktforscher gilt eine neue Technologie erst dann als strategisch wichtiger Trend, wenn sie in den nächsten drei Jahren für die Mehrzahl der Unternehmen relevant sein wird. Um das bewerten zu können, befragt Gartner jährlich Industrie- und Handelsunternehmen in 75 Ländern, darunter zahlreiche Mittelständler. Aus den aktuellen Ergebnissen resultieren die „Top 10 Strategic Technology Trends“, die laut Gartner die Geschäftsmodelle von Industrie und Handel ab 2015 nachhaltig verändern werden.

1. Computing everywhere

Die Nutzung mobiler Endgeräte nimmt stetig zu. Aufgrund dieser Entwicklung prognostiziert Gartner höhere Bedürfnisse mobiler Nutzer. Unternehmen sollten die Bedürfnisse der Nutzer in unterschiedlichen Kontexten und Umgebungen kennen, statt sich auf die Geräte zu konzentrieren. Die gesamte Umgebung sollte auf die jeweiligen Anforderungen der mobilen Nutzer ausgerichtet werden. Wenn sich Unternehmern dem Nutzererlebnis (User Experience Design) zuwenden, haben sie nach Gartner die Chance, Kunden und Mitarbeiter besser zu erreichen. Einher mit dieser Chance geht – so die Analysten – das Risiko, zunehmend die Kontrolle über die Gesamtheit der mobilen Endgeräte zu verlieren.

2. Das Internet der Dinge

Aufgrund der wachsenden Digitalisierung entstehen neue Kombinationen von Datenströmen und Dienstleistungen – das „Internet der Dinge“ nimmt Gestalt an. Diese Entwicklung ermöglicht prinzipiell vier Nutzungsmodelle: verwalten, vermarkten, betreiben und erweitern. Die Marktforscher von Gartner sehen für Unternehmer die Chance, von einem erweiterten Einsatz dieser Modelle zu profitieren. Vielversprechend sind zum Beispiel Pay-per-Use-Modelle bei Industrieanlagen, beim Waren- und Personenverkehr sowie beim Angebot von Cloud-Systemen.

3. 3-D-Druck

Die weltweite Auslieferung von 3-D-Druckern wird sich laut Gartner im Jahr 2015 annähernd verdoppeln. Verändern wird sich danach in den nächsten drei Jahren auch die Marktdynamik beim 3-D-Druck, da das Angebot preiswerter Geräte rasant wächst und der industrielle Einsatz neue Dimensionen erreicht – bis hin zum vollständigen Ausdrucken von Stahlbauteilen auf Basis gelaserter Metallpulverschichten. Der 3-D-Druck setzt damit die Entwicklung fort, die sich aktuell bereits abzeichnet: Die kreative Spielerei wird zur professionellen Produktionsmethode.

4. Neue Formen der Datenanalyse

Der Big-Data-Trend hat in den vergangenen Jahren zu der Frage geführt, wie Unternehmen sinnvoll mit großen Datenmengen umgehen können. Eine Antwort darauf finden laut Gartner künftig diejenigen, die sich verstärkt der Datenanalyse zuwenden. Nach den Marktforschern werden in den nächsten Jahren neue Ansätze und Methoden der Datenanalyse marktreif werden. Die neuen Analysetools werden Unternehmen dabei unterstützen, ihre Daten gezielt zu managen. Am Ende können die relevanten Informationen – aus dem Internet der Dinge, den Social Media und den mobilen Endgeräten – dann zur passenden Zeit an die richtige Person vermittelt werden.

5. Kontextbasierte Systeme

Vernetzte Systeme kommen in der Produktion, im Handel und im privaten Alltagsleben immer häufiger zum Einsatz. Diese Systeme sammeln mithilfe von Sensoren zahlreiche Informationen, analysieren sie und helfen den Nutzern bei ihren täglichen Aufgaben. Laut Gartner wird dieses Nutzungsverhalten in Zukunft noch zunehmen, zum Beispiel im Bereich kontextsensitiver Sicherheitssysteme.

6. Intelligente Maschinen

Smarte Roboter und virtuelle Assistenten erobern Schritt für Schritt Produktionshallen, Einkaufszentren, Büros und Wohnungen. Prototypen autonomer Maschinen bestehen bereits – wie zum Beispiel die Hannover Messe 2015 eindrucksvoll gezeigt hat – und werden sich rasch weiterentwickeln. Nach Gartner wird die Ära der intelligenten Maschinen sogar die „disruptivste“ in der Geschichte der Informationstechnologie sein.

7. Cloud Computing

Das Zusammenwachsen von Cloud und Mobile Computing wird zu neuen, zentral gesteuerten Anwendungen führen, die auf jedem Endgerät verfügbar sind. Laut den Marktforschern wird die Softwareindustrie in naher Zukunft verstärkt Anwendungen zur Synchronisierung entwickeln, die eine gleichzeitige Verwendung mehrerer Geräte unterstützen.

8. Softwaredefinierte Anwendungen und Infrastruktur

Im digitalen Geschäft müssen Unternehmen flexibel sein, um sich den schnell ändernden Anforderungen bestmöglich anpassen zu können. Zum Beispiel schwanken digitale Infrastrukturen oft zwischen Phasen einer eher geringen und einer massiven Auslastung. Diesen Anforderungen können Unternehmen künftig mit agilen, softwaredefinierten Anwendungen begegnen – mit Methoden, bei der die unteren Funktionsebenen eines Netzwerks in virtuelle Services ausgelagert werden. In den nächsten Jahren werden solche dynamischen Modelle nach Gartner immer wichtiger.

9. Webbasierte Informationstechnologie

Eine webbasierte IT bietet auch kleineren und mittleren Firmen die Chance, umfangreiche Cloud-Services innerhalb der unternehmenseigenen IT-Umgebung zur Verfügung zu stellen. Gartner prognostiziert, dass sich Unternehmen im Denken und Handeln zunehmend an Web-Giganten wie Amazon, Google oder Facebook anpassen werden. Der erste Schritt in Richtung webbasierter IT sind Programme, bei denen sich die Bereiche Anwendungsentwicklung (Development) und IT-Betrieb (Operations) einander annähern. Dank solcher DevOps-Programme steht Software für Anwender schneller und in einer höheren Qualität zur Verfügung.

10. Risikobasierte Sicherheits- und Schutzmaßnahmen

Ein entscheidender Faktor für alle digitalen Innovationen ist und bleibt das Thema Sicherheit. Nach Gartner werden Unternehmen zunehmend höher entwickelte Systeme für das Management und die Minimierung von Risiken einsetzen. Die Marktforscher sehen das größte Potenzial auf der Ebene der Anwendungsentwicklung. Demnach reichen Segmente und Firewalls nicht mehr aus, jede App soll selbstschützende Funktionalitäten erhalten. Unternehmer können zwar weiterhin nicht mit einem allumfassenden Schutz vor Hackerangriffen rechnen, erhalten aber einen verbesserten Schutz für ihre mobilen Endgeräte und App-basierten Services.