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Schifffahrt
29.04.2015

Niedrigere Schwefelgrenzwerte für Schiffstreibstoffe werden die Kosten für Schifffahrtsunternehmen deutlich erhöhen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der HSH Nordbank AG erstellt hat.

Containerfrachter auf der Elbe.

Eine starke Rauchwolke zieht hinter dem Containerfrachter auf der Elbe her. Der hohe Schwefelanteil im Schweröl, das Schiffen als Kraftstoff dient, belastet die Umwelt und Gesundheit. (Foto: picture-alliance / dpa)

Die Schifffahrt ist für den weltweiten Warenverkehr von enormer Bedeutung: Rund 80 Prozent der global transportierten Fracht hat im Handelsverlauf ein Schiff passiert. Bedenkt man nun, dass in der Schifffahrt überwiegend Schweröl eingesetzt wird, eines der qualitativ minderwertigsten Erzeugnisse aus der Erdölverarbeitung, wird klar: Der hohe Anteil der Schifffahrt an den globalen Warenströmen bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit.  Und obwohl die Schifffahrt für einen Großteil des Ausstoßes von Schwefeloxiden verantwortlich ist, wurden die Umweltauswirkungen in diesem Sektor lange Zeit vernachlässigt.

Das hat sich geändert. Seit Anfang 2015 gelten in den sogenannten Emission Control Areas (ECA) schärfere Umweltauflagen. Welche Auswirkungen diese veränderten Rahmenbedingungen insbesondere für Reedereien haben könnten, die in diesen streng regulierten Schifffahrtssonderzonen tätig sind, verdeutlicht die aktuelle Studie des HWWI im Auftrag der HSH Nordbank.

„Unsere Berechnungen zeigen, dass die laufenden Kosten für Schiffsbetreiber in den ECA bei einer vollständigen Umstellung von Schweröl auf Mitteldestillate um bis zu 20 Prozent ansteigen können. Für ein Feederschiff, das ausschließlich in der Ostsee operiert, würden sich die Zusatzkosten durch den Treibstoffwechsel in diesem Fall auf bis zu 28.000 US-Dollar pro Woche belaufen“, sagte Dr. Christian Growitsch, Sprecher der Geschäftsführung des HWWI.

Ausgehend vom gegenwärtigen Treibstoffverbrauch in der Schifffahrt wird die Nachfrage nach Mitteldestillaten, zu denen neben niedrigschwefligem Marinegasöl auch Heizöl, Kerosin und Dieselkraftstoff gehören, bei einem breiten Wechsel auf Treibstoffe mit einem geringeren Schwefelgehalt im Jahr 2020 abrupt um 10 Prozent steigen. Aufgrund eines relativ starren Angebots an Ölprodukten können Raffinerien kurz- bis mittelfristig kaum auf das veränderte Nachfrageverhalten reagieren. Daraus resultiert ein für die Seeschifffahrt nur schwer abzuschätzendes Preisrisiko, das sich auch auf andere kraftstoffintensive Branchen auswirken kann. Darüber hinaus ist den Experten des HWWI zufolge eine Verlagerung des Transports auf Straße und Schiene nicht auszuschließen.