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Der Afrika Boom

„Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts“

13.04.2015

Andreas und Frank Sieren beschreiben in ihrem Buch „Der Afrika-Boom. Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts“ die fortschrittliche Seite Afrikas – ein Kontinent, der für Unternehmer immer interessanter wird.

Cover des Buches "Afrika-Boom" von Andreas und Frank Sieren.

Das Buch von den beiden Brüdern Andreas und Frank Sieren erschien im März 2015 im Hanser Fachbuch Verlag. (Foto: Hanser Fachbuch)

Afrika – das sind Ebola-Tote, AIDS-Epidemie, Islamismus, Flüchtlinge, Rebellenkriege, Genozide, Blutdiamanten, Kindersoldaten, Korruption, Hungersnöte, Piraten sowie ein Dutzend kleptokratische Diktatoren mit gut gefüllten Schweizer Konten und teuren Uhren. Oder etwa nicht?

Alles richtig, sagen die Autoren von „Der Afrika-Boom. Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts“. Aber es gibt mittlerweile eben auch ein ganz anderes, ein globalisiertes und zivilisierteres Afrika, das gerade dabei ist wirtschaftlich zu erwachen. Ein Afrika, das die notorisch negativen Schlagzeilen der letzten Jahrzehnte abschütteln und auch für Unternehmer immer interessanter werden könnte.

„Sechs von zehn der am schnellsten wachsenden Ökonomien der Welt liegen in Afrika“, schreiben Andreas und Frank Sieren. Die beiden Publizisten, ein Brüderpaar, sind Kenner, wenn es um aufstrebende Volkswirtschaften etwa in Asien geht. Auf 300 Seiten beschrieben sie Indizien und Belege, um daraus eine leuchtende Zukunft des afrikanischen Kontinents abzuleiten.

Angesichts der momentanen Schlagzeilen, fällt es durchaus schwer, daran zu glauben. Dennoch listet das locker, thesenhaft und manchmal etwas blauäugig geschriebene Buch einige Frühindikatoren auf, die für die Prognose sprechen, dass sich der Kontinent mit 54 Ländern und 1,1 Milliarden Einwohnern spürbar entwickelt und begonnen hat, ökonomisch und sozial tragfähig zu wirtschaften.
Denn Afrika kommt bei der Globalisierung allmählich auch als eigenständiger Wirtschaftsstandort ins Spiel. Das Wichtigste sei dabei, so meinen die Autoren, dass der einst wie kein zweiter Erdteil von Kolonialmächten geplünderte Kontinent, seine Rolle im eigenen Modernisierungsprozess nun selbst bestimmt.

Denn mehr und mehr Politiker werden vor Ort von ihren Bevölkerungen in die Pflicht genommen. Entsprechend intensiv wird in Infrastruktur investiert: IT-Netze, Straßen, Schienenwege und Krankenhäuser werden zwar immer noch mit viel ausländischem Know-how gebaut, aber es sind Projekte, die endlich mehr der lokalen Gemeinschaft nutzen und nicht nur ein paar ausländischen Rohstoffkonzernen oder einer korrupten Machtelite. Auch moderne Technologien – etwa der Mobilfunk – werden ausgebaut und weiterentwickelt.

So machen es Afrikas Regierungen inzwischen zur Auflage, dass heimische Unternehmen in Großprojekte fest eingebunden werden, schreiben die Autoren. Ganz neue Städte entstehen demnach, etwa Modderfontein in Südafrika oder Konza Techno City in Kenia. Allein zwischen Nairobi und Mombasa werden derzeit zehn neue Bahnhöfe hochgezogen. Tiefwasserhäfen und Flughäfen verlassen die Reißbretter. Politiker beginnen zudem überregional zu denken und Zugnetze über Ländergrenzen hinweg zu planen.

Vor allem die Staaten südlich der Sahara können dabei mittlerweile wählen, welchen Investor sie haben möchten. Bislang fließt vor allem chinesisches, indisches und brasilianisches Geld in die zahllosen Infrastrukturprojekte. „Zwanzig Jahre chinesischer Investitionen haben dem Kontinent mehr geholfen als ein halbes Jahrhundert westlicher Entwicklungshilfe“, heißt es in dem Buch.

Am Westen, vor allem auch an der deutschen Wirtschaft, gehe der Boom hingegen bislang vorbei. Dabei sei der Entwicklungsfortschritt des Kontinents mit Händen zu greifen: Mittlerweile gehört jeder vierte Afrikaner zur konsumstarken Mittelschicht. Rund 95 Prozent der Bewohner des Kontinents leben in Frieden. Die Kindersterblichkeit hat sich in der letzten Dekade halbiert und 78 Prozent aller Jugendlichen genießen inzwischen eine Grundschulausbildung. Geht es nach diesem Buch, sollten sich deutsche Unternehmen durchaus intensiver mit Afrika beschäftigen.

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