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IfW-Frühjahrsprognose
24.03.2015

Nach der aktuellen Frühjahrsprognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft befindet sich Deutschlands Konjunktur derzeit „auf der Sonnenseite“ – Motor des Aufschwungs sind die Verbraucher.

Passanten beim Shoppen in der Innenstadt.

Passanten in der Hohe Straße beim abendlichen Shoppen in Kölns beliebter Einkaufsstraße – Deutschlands Verbraucher befeuern die Konjunktur. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die wichtigsten Aussagen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW): Die Wirtschaftsleistung steigt in Deutschland in diesem Jahr um 1,8 Prozent und wird im kommenden Jahr um weitere 2,0 Prozent zulegen. Der Hauptantrieb der positiven Entwicklung ist die überraschend starke Ausgabefreudigkeit der Konsumenten.

Die deutsche Wirtschaft boomt derzeit so stark, dass laut IfW – trotz diverser ökonomischer und politischer Krisen – sogar die Gefahr einer Überdehnung der Produktionskapazitäten und damit einer Überhitzung der Wirtschaft droht.

Portemonnaies weit geöffnet

Für Einkäufe und zum Erwerb von Wohneigentum geben Deutschlands Verbraucher das Geld derzeit mit vollen Händen aus, schreibt das Kieler Institut. Die Kauflaune treibt die Gewinne der Unternehmen und fördert ihre Bereitschaft, zu investieren.

Im laufenden Jahr werden die Konsumausgaben mit 2,7 Prozent „so kräftig expandieren wie seit 1992 nicht mehr“, sagen die Konjunkturforscher voraus und fahren fort: „Im nächsten Jahr dürften Unternehmensinvestitionen zur zweiten Säule des Aufschwungs erstarkt sein.“ Bereits jetzt liege die Unternehmensauslastung leicht über dem durchschnittlichen Normalwert.

Dabei stützt die ungewöhnlich niedrige Kerninflation den Konsum eher, als dass sie ihn hemmen würde. Weitere Gründe für die Kauflaune der Verbraucher sind die anhaltend niedrigen Zinsen, üppige Sozialleistungen und die niedrige Arbeitslosigkeit – sie ist derzeit auf ein Rekordtief nach der Wiedervereinigung gefallen. Der positive Trend in Sachen Beschäftigung soll sich fortsetzen: Das IfW erwartet für dieses Jahr eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent und für 2016 eine Senkung auf 6,1 Prozent.

Kein Boom besteht ewig

Bei aller Euphorie mahnt das IfW: „Jeder Boom ist seiner Natur nach nicht nachhaltig und muss früher oder später durch eine Anpassungsrezession korrigiert werden.“ Die Konjunktur könne sich überhitzen, wenn Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen stießen. Besser sei es, rechtzeitig zu bremsen. „Eine Überdehnung, die mittelfristig zu einer Überhitzung führen kann, stellt eine stabilisierungspolitische Zielverfehlung dar“, warnt Stephan Kooths, Leiter des Prognosezentrums des IfW.

Wie Kooths haben auch seine Kollegen vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut ihre Prognose für 2015 wegen der boomenden Binnenkonjunktur deutlich erhöht. Die Hamburger Forscher erwarten 1,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr und argumentieren dabei ganz ähnlich wie die Kieler: „Die niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Reallöhne bei gleichzeitig niedrigen Zinsen dürften das Konsumklima der privaten Haushalte stützen“. Für 2016 ist das HWWI allerdings weniger optimistisch und prognostiziert eine leichte Abschwächung – auf 1,75 Prozent Wachstum.