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21.01.2015

E-Autos halten unaufhaltsam Einzug in die Fuhrparks von Großkonzernen. Auch für mittelständische Unternehmen wird es Zeit, ihren Einsatz ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Front des Audi A3 e-tron.

Elektromobilität soll vorangetrieben werden. Die Regierung will 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen fahren sehen. (Foto: picture alliance / dpa)

Noch spricht die Statistik eine überdeutliche Sprache: 2,8 Millionen Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren sind von Januar bis November 2014 in Deutschland zugelassen worden. Im Vergleich dazu sind die Zahlen für Elektroautos verschwindend gering: 25.300 Fahrzeuge mit Hybridmotor und 7.500 rein batterie-betriebene Autos hat das Kraftfahrt-Bundesamt in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres als Neuzulassungen verzeichnet.

Nach Ansicht aufmerksamer Marktbeobachter wird das Kräfteverhältnis auf den Straßen aber nicht auf ewig so bleiben. „Ab 2017 werden, über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, die ersten Elektroautos günstiger sein als moderne Verbrenner“, prognostiziert der Trendforscher Lars Thomsen. „Und bald darauf werden wir den `point of no return‘ erleben: den Punkt, ab dem der Automarkt langsam, aber unaufhaltsam auf die Seite der Elektroautos kippt.“

Geschäftskunden: Schlüssel zum Markterfolg

Die ersten Schritte in Richtung E-Auto erwarten Experten von zwei Marktsegmenten: einerseits gut betuchte, innovationsfreudige Privatleute – die „early adopters“, die in den USA und Norwegen derzeit für einen gewaltigen Boom sorgen. Und andererseits  Geschäftskunden, die mit einem Zulassungsanteil von 64 Prozent ohnehin den Großteil des Automarkts in Deutschland beherrschen. Für sie ist der Einsatz von Elektroautos vor allem unter zwei Gesichtspunkten interessant: Sie eignen sich ideal für Service- und Liefertätigkeiten innerhalb urbaner Großräumer – und durch „dosiertes Einstreuen“ der leisen Null-Emissions-Fahrzeuge in den eigenen Fuhrpark lässt sich im Marketing ein erheblicher Imagegewinn erzielen.

In Großunternehmen mit umfangreichen Fuhrparks hat die „Mobilitätswende“ schon vor Jahren begonnen: Die Deutsche Post hat beim Aachener Startup Streetscooter mehrere hundert elektrische Kleintransporter für den innerstädtischen Bereich geordert, rund 80 davon sind bereits im Betrieb.

IBM Deutschland hat bei der Modernisierung des Europa-Headquarters in Stuttgart die Infrastruktur des gesamten Firmengeländes auf den Einsatz von E-Fahrzeugen angepasst. In allen deutschen Standorten der Airbus-Mutter EADS laufen derzeit Planungen für den gezielten „Einstieg in den Umstieg“. Großflughäfen wie Frankfurt, München und Köln planen bei der Flottenerneuerung E-Fahrzeuge aller Art für die kommenden Jahre fix mit ein. In Hamburg gehören der Hafenbetreiber HHLA (mehr als 50 E-Autos) sowie Behörden und stadteigene Betriebe (rund 300 E-Fahrzeuge) zu den Vorreitern der betrieblichen Elektromobilität.  

Förderung: keine Kaufprämien, aber Steuervorteile

Die Bundesregierung will die Entwicklung des Elektroauto-Markts rasch weiter vorantreiben. Dass dazu der Einstieg auch der mittelständischen Unternehmen in die elektromobile Zukunft unverzichtbar ist, wissen die Verantwortlichen im Wirtschafts- und im Verkehrsministerium sehr genau. Schmackhaft machen wollen sie den Unternehmen diese Entscheidung u.a. durch eine Mischung aus steuerlichen und finanziellen Anreizen:

  • Die Benachteiligung von Nutzern elektrischer Dienstwagen im Rahmen der 1-Prozent-Regelung wurde schon zum 1.1.2013 aufgehoben.
  • Für gewerbliche Käufer von E-Fahrzeugen will die Regierung bald eine neue Sonderabschreibung schaffen: Schon im ersten Jahr sollen 50 Prozent der Anschaffungskosten steuerlich abgeschrieben werden können. Für die gewerblichen E-Auto-Käufer wäre das eine Steuerminderung um mehrere tausend Euro pro Fahrzeug – und den Staat würde die Regelung pro Jahr nur verträgliche 200 Millionen Euro kosten.
  • Die staatliche Förderbank KfW hat im Oktober 2014 ein Umweltprogramm aufgelegt, das Unternehmen für die Anschaffung von E-Fahrzeugen sehr günstige Kredite offeriert

Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, fordert Unternehmer zu einem „neuen, kreativen Denken und Rechnen“ auf. Sie sollten sich von den – im Vergleich zu „Benzinern“ deutlich höheren –  Anschaffungskosten der E-Autos nicht abschrecken lassen, meint er. Denn für viele Betriebe würden sich bei genauer Betrachtung diese Mehrkosten schon nach drei, vier Jahren amortisieren. „E-Fahrzeuge sind nicht nur erheblich umweltfreundlicher als Verbrenner. Wegen der geringeren Kosten für Treibstoff und Wartung sind sie auf lange Sicht auch kostengünstiger.“