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29.12.2014

Die Wissenschaftspartner von UP° Nord, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), haben ihre Prognosen für das Jahr 2015 vorgelegt. Ergebnis: Die deutsche Wirtschaft steht auf solidem Fundament. Die Experten sehen aber auch Gefahren.

Hamburger Hafen: In einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld sind die Exporte zuletzt stärker gewachsen als die Importe. (Foto: picture alliance / dpa)

Mittelständische Unternehmer können sich freuen: Die deutsche Wirtschaft zieht an. Bereits im letzten Quartal des Jahres 2014 dürfte es zu einem kräftigen Anstieg der privaten Konsumausgaben kommen, erwartet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und hob seine Prognose für die Wirtschaftsleistung leicht auf 1,5 Prozent für 2014 an. Die Kaufkraft steige durch höhere Nettoeinkommen und den drastischen Ölpreisverfall, konstatierten die Ökonomen. „Der Preisrutsch beim Öl kompensiert vorübergehend den heimischen Preisauftrieb, so dass sich um die Jahreswende 2014/2015 steigende Einkommen praktisch eins zu eins in höhere Kaufkraft übersetzen", erläuterte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths.

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wird demnach im neuen Jahr um 1,7 Prozent zunehmen und 2016 um 1,9 Prozent. Die Kieler Experten sehen jedoch in den Jahren 2016 und 2017 die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft. Die Folge könnten den Ökonomen zufolge starke Preissteigerungen und Verwerfungen auf dem Geld- und Kapitalmarkt sein. „Deshalb gibt es auch keinen Anlass für Konjunkturpakete", sagte Kooths der Nachrichtenagentur Reuters. Vielmehr müsse die große Koalition aufpassen, „dass sie durch die Finanzpolitik nicht selbst zur Überhitzung beiträgt".

Investitionen der Unternehmen ziehen an

Auch in vielen Firmen verbessern sich die Aussichten: Nach und nach dürften die Investitionen der Unternehmen die Konjunktur weiter antreiben, da bei anziehender Nachfrage die Zinsen niedrig bleiben. „Der Stimmungsabschwung in den Unternehmen scheint einen Boden gefunden zu haben, und auch von der Bestelltätigkeit gab es zuletzt wieder positive Signale", so Kooths. Nach Schätzung der Forscher sollte die Investitionstätigkeit im kommenden Jahr um 4,3 Prozent und 2016 um 8,1 Prozent zulegen. Im aktuellen Jahr gab es lediglich ein Plus von 3,7 Prozent.

An die Adresse der Bundesregierung gewandt, betonte der Leiter des IfW-Prognosezentrums zudem, der Staat müsse seine Ausgaben kritisch prüfen. „Wer mehr investieren möchte, darf das nicht über Schulden finanzieren“, so Kooths. Dies müsse über Umschichtungen im Haushalt geschehen oder über die Beteiligung der Privatwirtschaft bei der Finanzierung. Wichtig sei hierbei, dass „Private bei den Investitionen auch das Risiko mittragen“, sagte Kooths.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.2; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht; Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht; grau hinterlegt: Prognose des IfW.

HWWI: 2015 wird entscheidend für die Entwicklung der Weltwirtschaft

Auch die Experten des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts rechnen damit, dass der Konsum die Wirtschaft zusätzlich ankurbelt. „Vor allem der private Konsum wird aufgrund der weiterhin günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und steigender Realeinkommen deutlich zum Wachstum beitragen“, schreiben die Forscher in einer aktuellen Konjunkturanalyse.  Der Wirtschaft trauen die Volkswirte 2015 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent zu, nach 1,5 Prozent in diesem Jahr. Die Forscher prognostizieren zudem einen moderaten Anstieg der Teuerungsrate. Nach zuletzt 0,6 Prozent sei im nächsten Jahr mit einem Anstieg auf 1,5 Prozent zu rechnen – auch wegen der Einführung des Mindestlohns.

Die größten Risiken für diese Prognose bestehen laut den Hamburger Ökonomen in einer sich verzögernden Erholung im Euro-Raum und einer möglichen Eskalation der geopolitischen Krisen: „Der globale Aufschwung steht in 2015 vor ernsthaften Belastungsproben“, so die HWWI-Forscher. „Vor allem eine schnellere und deutlichere Zinswende in den USA, als diese bisher von den Märkten erwartet wird, könnte die Finanzmärkte destabilisieren und einen Test für die Robustheit der Weltwirtschaft darstellen, die auch im sechsten Jahr nach der globalen Finanzkrise weiterhin fragil und gegenüber Schocks verwundbar ist.“ Sie glauben daher, dass das Jahr 2015 konjunkturell in besonderer Weise entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft sein wird. „2015 wird das Jahr der Wahrheit“, sagt Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor und Mitglied der Geschäftsführung des HWWI.

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